DAS ENDOCANNABINOID-SYSTEM

Bevor wir das eigentliche Thema dieses Artikels behandeln können, müssen wir uns zuerst einige Grundlagen vergegenwärtigen. Wenn Cannabis konsumiert wird, verfolgt der Nutzer dabei in der Regel bestimmte persönliche Ziele. Ob wir nun an einem Joint ziehen, um ein Konzert intensiver zu genießen oder einen Kopf rauchen, um mit Kopfschmerzen fertig zu werden - es gibt immer einen erwünschten Effekt, auf den wir aus sind. Der einzige Grund, warum wir diese unterschiedlichen Wirkungen erleben können, liegt darin, dass chemische Verbindungen aus der Cannabispflanze an ein natürliches System in unserem Körper - das Endocannabinoid-System (ECS) - binden und mit diesem interagieren.

Cannabinoid-Rezeptoren finden sich in zahlreichen Bereichen des menschlichen Körpers, und zwar hauptsächlich in Form von CB1- und CB2-Rezeptoren. CB1 ist vorwiegend im Gehirn und im zentralen Nervensystem anzutreffen. Dies ist der Rezeptor, der für die Auslösung der psychoaktiven Effekte verantwortlich ist, die mit dem Konsum von Cannabis hauptsächlich verbunden sind. THC bindet so an CB1-Rezeptoren, wie ein Schlüssel in ein Schloss passt. CB2-Rezeptoren sind dagegen hauptsächlich außerhalb des Nervensystems im Immunsystem angesiedelt. Sie stimulieren keine Psychoaktivität.

Bevor Du nun vielleicht glaubst, der menschliche Körper hätte ein solches System nur, damit wir auf Cannabis reagieren können, wollen wir auf die endogenen Cannabinoide zu sprechen kommen. Dabei handelt es sich um Cannabinoide, die unser Körper von Natur aus selbst produziert. Dass der Name des ECS und seine erwähnten Rezeptoren so direkt auf die Cannabispflanze bezogen wurden, liegt ganz einfach darin begründet, dass sie erstmals entdeckt wurden, als man die Interaktion von Cannabis mit dem menschlichen Körper erforschte. Erst später stellte sich heraus, dass der Körper seine eigenen Cannabinoide produziert - und deshalb haben wir ein solches System.

Körper CB1 und CB2 Rezeptoren Cannabinoide

KLINISCHER ENDOCANNABINOID-MANGEL

Dieses Leiden wurde bisher noch nicht als offizielle Erkrankung anerkannt, was aber wahrscheinlich bald der Fall sein wird. Der klinische Endocannabinoid-Mangel ist mit einem ganzen Spektrum gesundheitlicher Störungen verbunden. Wie Du mittlerweile weißt, sind die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems über den ganzen Körper verteilt. Eine der Hauptfunktionen des Systems besteht darin, den Körper in einem Zustand der Homöostase – also des Gleichgewichts - zu halten. Bei Vorliegen unzureichender Cannabinoid-Spiegel reagiert unsere Körper negativ. Eine wissenschaftliche Arbeit von 2016 beschreibt diese Erkrankung als Realität und wir werden in der Zukunft sicherlich noch mehr von ihr hören.

Angesichts dessen, was das Endocannabinoid-System in unserem Körper ausrichten kann, ist es bemerkenswert, dass Phytocannabinoide (Cannabinoide, die außerhalb des menschlichen Körpers von Pflanzen gebildet werden) eine Rolle bei der Behandlung oder Linderung der Symptome zahlreicher Erkrankungen spielen können.

Zusammenfassend lässt sich der klinische Endocannabinoid-Mangel präzise definieren als jede gesundheitliche Störung oder Krankheit, die auf einen Mangel an Cannabinoiden im Körper zurückzuführen ist. Obwohl unser Körper sehr effektiv Endocannabinoide produzieren kann, gibt es einige Menschen, deren entsprechende Niveaus nicht ideal sind und die deshalb bestimmte Krankheiten entwickeln können. Lass uns die Erkrankungen einmal genauer ansehen, die derzeit mit einem Mangel an Endocannabinoiden assoziiert werden.

Homöostase Fitocannabinoide und Endocannabinoide

MIGRÄNE

Wir Menschen leiden schon sehr lange an Migräne. Da es sich aber um keine tödliche Krankheit handelt, nehmen die Betroffenen normalerweise Aspirin und lassen sich Zeit, bis das Problem gelöst ist. Dies ist der Grund für den auffälligen Mangel an wissenschaftlicher Erforschung dieses Krankheitsbildes. Migräne ist in sehr vielen ihrer Aspekte noch immer unverstanden. Obwohl wir wissen, dass die Anfälle mit einem Anstieg des Serotoninspiegels im Gehirn korrelieren, können wir bisher nur vermuten, dass hinter dieser Korrelation auch eine Kausalität steckt.

Das Endocannabinoid Anandamid mit seinen signifikanten Wirkungen auf die Schmerzregulation und die Serotonin-Übertragung kann Menschen mit Migräne aktiv helfen. THC ist in seiner chemischen Struktur dem Anandamid sehr ähnlich und kann daher dessen therapeutische Wirkungen reproduzieren. Der einzige Nachteil besteht darin, dass THC das Problem verschlimmern soll, wenn es in zu niedrigen Dosen verabreicht wird. Nur bei einer größeren Einnahme kann THC also von Nutzen sein.

REIZDARMSYNDROM

Das Reizdarmsyndrom ist eine Erkrankung, die mit Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall einhergeht. Auch dieses Leiden wird mit einem Endocannabinoid-Mangel in Verbindung gebracht. Man fand nicht nur heraus, dass Serotonin das Syndrom beeinflusst, sondern es wird auch beschrieben, dass die Cannabinoid-Rezeptoren im Darm Entzündungen und der Überempfindlichkeit entgegenwirken. Serotonin verlangsamt die Darmmotilität, was wiederum ebenso zur Bekämpfung von Darmkrämpfen beitragen kann.

Obwohl die bisherige Forschung eine Korrelation zwischen der Einnahme von Cannabis und der Linderung der Symptome des Reizdarmsyndroms nahelegt, benötigen wir hier weitere Forschungsergebnisse, bevor wir schlüssige Theorien entwickeln können. Zumal bei manchen Menschen Cannabiskonsum und Serotoninanstieg die Symptome des Reizdarmsyndroms überhaupt erst ausgelöst haben. Antworten werden wahrscheinlich erst umfassende klinische Studien in der Zukunft geben können.

FIBROMYALGIE

Fibromyalgie, auf die wir abschließend noch eingehen müssen, ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die Schmerzen verursacht und ebenfalls mit Serotonin in Verbindung steht. Gegenwärtig wird Cannabis in Ländern, in denen es legal ist, bereits als Medikament gegen Fibromyalgie verschrieben. Dabei handelt es sich um eine der Erkrankungen, über die es tatsächlich eine ordentliche Menge an wissenschaftlicher Forschung gibt, obwohl immer noch mehr benötigt wird. In wissenschaftlichen Publikationen von 2008, bzw. 2011 wiesen Forscher auf eine signifikante Schmerzlinderung und den Abbau von Ängsten hin.

WIE CBD HELFEN KANN

Anders als THC bindet CBD nicht direkt an Cannabinoid-Rezeptoren. Eine der Hauptfunktionen dieses nicht-psychoaktiven Cannabinoids besteht darin, dass es die Freisetzung des Enzyms Fettsäureamidhydrolase (FAAH) unterdrückt. Dieses baut Anandamid ab, eines unserer endogenen Cannabinoide. Durch die Unterdrückung von FAAH "verstärkt CBD den Endocannabinoid-Ton" und induziert in der Folge medizinische Vorteile.

Wie wir gehört haben, spielt Anandamid bei Erkrankungen wie Migräne eine sehr wichtige Rolle. THC ähnelt Anandamid strukturell sehr und kann daher zu ähnlichen Ergebnissen führen. CBD gewinnt derzeit als starkes entzündungshemmendes Mittel, Anxiolytikum und Analgetikum stark an Zugkraft, doch können wir die Frage, ob CBD Migräne mit dem gleichen anekdotischen Erfolg wie THC-reiche Medikamente lindern kann, noch nicht endgültig beantworten.

Alle oben genannten Erkrankungen weisen gemeinsame Eigenschaften auf. Häufig entwickeln Patienten, die an einer dieser Krankheiten leiden, auch Symptome der anderen, offensichtlich verwandten Erkrankungen. Das ist es, was den klinischen Endocannabinoid-Mangel so interessant macht: Viele Reizdarm-Patienten berichten auch von Migräne-Symptomen, während die Mehrheit der Fibromyalgie-Patienten auch Anzeichen einer Reizdarmstörung zeigen. Dies hat zu der Hypothese geführt, dass alle diese Gesundheitsstörungen lediglich Manifestationen ein und derselben Erkrankung sind. Nur mit weiterer Forschung werden wir in der Lage sein, die Ursachen des klinischen Endocannabinoid-Mangels zu finden und den Betroffenen die erhoffte Linderung zu verschaffen.

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