By Steven Voser


Fühlst Du Dich am Tag nach dem Kiffen etwas groggy? Rauchst Du vielleicht viel und stellst fest, dass Dir oft Energie fehlt und Du Schwierigkeiten hast, Dich zu motivieren? Wenn auch nicht gänzlich klar, ist allgemein akzeptiert, dass (vor allem exzessiver) Cannabis-Konsum zu Schläfrigkeit führen kann. Zu verstehen, weshalb das passiert und was man dagegen tun kann, wird Dir bei der Entwicklung einer gesünderen Beziehung zu Weed helfen.

Warum macht Weed müde?

Die meisten Hanflinge werden bestätigen, dass sie sich manchmal (oder vielleicht sogar meistens) schläfrig fühlen – vielleicht sogar lethargisch. Tatsächlich gibt es einen weit verbreiteten Stereotyp des unmotivierten Kiffers, der die Müdigkeitsgefühle nicht abschütteln kann.

Aber warum fühlen sich so viele Menschen während und nach dem Rauchen von Gras schläfrig?

  • Cannabinoide und Terpene

Es ist naheliegend, dass die psychoaktiven und psychotropen Verbindungen in Cannabis hauptverantwortlich für die Tendenz sind, dass sich Menschen vom Graskonsum müde fühlen.

Cannabinoide

Cannabis enthält 113 bekannte Cannabinoide und möglicherweise weitere, die noch identifiziert werden müssen. Diese technisch als Phytocannabinoide bezeichneten Pflanzenstoffe sind in der Lage, mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS) zu interagieren. Obwohl dieses Netzwerk von Rezeptoren und Kanälen noch nicht sehr gut erforscht ist, wird angenommen, dass es an vielen geistigen und körperlichen Prozessen beteiligt ist.

Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD. THC ist für das berühmte Cannabis-High verantwortlich und ist auch der Hauptverantwortliche für seine schläfrige Wirkung. Es ahmt Anandamid nach, ein natürlich vorkommendes Endocannabinoid, und bindet sich am liebsten an die CB1-Rezeptoren, die im Gehirn am häufigsten vorkommen.

Es gibt Vermutungen darüber, warum THC schläfrig macht – wovon viele mit Dopamin zu tun haben – und wir werden sie später in einem ihnen gewidmeten Abschnitt genauer untersuchen.

CBD und viele andere Cannabinoide werden ebenfalls mit dem Gefühl der Schläfrigkeit in Verbindung gebracht. Auch wenn die Ergebnisse derzeit noch nicht schlüssig sind, deuten erste Studien auf einen Zusammenhang zwischen CBD und Veränderungen im Schlaf[1] hin.

Cannabinoide und Terpene

Terpene

Terpene sind eine Klasse weniger bekannter Verbindungen, die nicht nur in Cannabis, sondern überall in der Natur vorkommen. Wie auch bei vielen anderen Pflanzen verleihen sie Cannabis seine wunderbare Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Aromen.

Myrcen ist ein häufig in Cannabis vorkommendes Terpen, das einen mangoartigen, erdigen Geschmack aufweist. Tatsächlich ist Myrcen auch in Mangos enthalten. Es wird vermutet, dass Myrcen die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke erhöhen[2] könnte, was wiederum die Geschwindigkeit der sie passierenden Cannabinoide beeinflussen und möglicherweise ihre Wirkung verstärken könnte.

Es wird ebenfalls angenommen, dass Linalool, ein weiteres häufig vorkommendes Terpen, in Verbindung mit CBD einen Einfluss auf Gefühle von Schläfrigkeit hat.

  • Die Qualität des Cannabis

Auch die Qualität des Cannabis kann einen Unterschied ausmachen. Qualität ist in diesem Bereich schwer zu definieren, da sie weitgehend subjektiv ist; dennoch kann die Art und Weise, wie Cannabis angebaut, ausgehärtet und gelagert wird, den Müdigkeitsgrad seiner Wirkung bestimmen.

Auch hier kommt es auf die Cannabinoide an. Zum Beispiel haben etwas früher geerntete und in luftdichten Gläsern im Dunkeln gelagerte Blüten eine höhere THC-Konzentration. Wenn die Blüten länger an der Pflanze verbleiben oder bei Licht in Plastikbeuteln reifen, wird das THC in andere Cannabinoide (wie CBN) umgewandelt, von denen man annimmt, dass sie Konsumenten schläfriger machen.

Ansonsten hängt es vor allem mit dem THC:CBD-Verhältnis und der Menge verschiedener Terpene zusammen. Bei einer gut angebauten Cannabissorte ist es wahrscheinlicher, dass sie eine Reihe ausgewogener Wirkungen hat, durch die sich Konsumenten weniger müde fühlen. Dies ist jedoch keineswegs garantiert.

Die Qualität des Cannabis
  • Die Menge, die man raucht

Es versteht sich von selbst, dass sich die Wirkung verstärkt, wenn man mehr raucht. Wenn man nur ein kleines bisschen konsumiert, bekommt man wahrscheinlich ein sanftes High, dass mit leichten oder gar keinen Nachwirkungen ausklingen wird. Einen Kopf nach dem nächsten zu rauchen, wird Dich unweigerlich müde machen – egal, welche Sorte von Gras Du konsumierst.

Genauso wird es eine kumulative Wirkung haben, jeden Tag oder sehr regelmäßig zu rauchen. Nach nur einer großen Session könntest Du Dich also relativ unversehrt fühlen – wenn Du aber ständig high bist, verfällst Du wahrscheinlicher in eine unerschütterliche Lethargie.

  • Einnahmemethode

Es kommt auch auf die Art der Einnahme an. Beim Rauchen von Cannabis ist Delta-9-THC die Verbindung, die Dein Gehirn erreicht. Diese Verbindung ist zwar hochwirksam, wird aber relativ schnell abgebaut, so dass der Körper sein Gleichgewicht relativ schnell wieder herstellen kann.

Wenn Du Cannabis schluckst, wird Delta-9-THC zu 11-Hydroxy-THC. Diese Version des THC-Moleküls ist sowohl potenter und als auch schwieriger für den Körper zu verstoffwechseln. Aus diesem Grund haben Esswaren eine so starke und langanhaltende Wirkung. Außerdem neigen sie dazu, Konsumenten schläfriger zu machen, und zwar für eine längere Zeit.

  • THC und Dopamin

Wie schon erwähnt, wird angenommen, dass die stärkste schlafbezogene Wirkung von THC auf seinen Einfluss auf Dopamin zurückzuführen ist.

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der dafür sorgt, dass wir förderliche Verhaltensweisen wiederholen und uns nicht mit schlechten plagen. Viele Substanzen sind jedoch in der Lage, dieses System zu manipulieren, was sowohl das Gefühl von Genuss bei der Einnahme steigert als auch zu Sucht und anderen Problemen führen kann.

In einer Studie aus dem Jahr 2017 wurde festgestellt[3], dass der häufige Konsum von Cannabis erhebliche Auswirkungen auf den Dopamin-Spiegel der Konsumenten hat. Daraufhin wurde spekuliert, diese Auswirkungen könnten das Motivations- und Energiegefühl der Konsumenten beeinflussen.

Da Dopamin dem Gehirn im Wesentlichen sagt, wann es sich anstrengen soll und wann nicht, können Ungleichgewichte in diesem System die Motivationsfähigkeit stark beeinträchtigen. In den Worten von Dr. Michael Bloomfield:

"Nach einer gewissen Zeit sind die Gehirnzellen nicht mehr in der Lage, so viel Tyrosinhydroxylase zu produzieren, ein wichtiges Enzym, das eine Schlüsselkomponente bei der Herstellung von Dopamin ist".

Es wird vermutet, dass die Dopamin-Produktion gedrosselt wird und dadurch auch das Energieniveau sinkt.

THC und Dopamin

Cannabissorten, die Müdigkeit beeinflussen können

Müdigkeitsgefühle sind bei Cannabis nicht immer unerwünscht, für manche ist genau diese Wirkung gewollt. Daher kann es hilfreich sein, die für diesen Zweck am besten geeignetsten Sorten zu kennen. Ebenso ist das Wissen über die energiereichsten Sorten für diejenigen wünschenswert, die die ans Sofa fesselnde Wirkung von Gras vermeiden wollen.

  • Cannabissorten, die schläfrig machen

Für die Glücklichen unter uns, die Zugang zu verschiedenen Cannabissorten haben, ist es ziemlich klar, dass uns einige sehr schläfrig machen und andere vielleicht nicht. Die alte binäre Unterscheidung zwischen Indica und Sativa ist hier nicht mehr von großem Nutzen, da sie zu sehr verallgemeinert und nicht besonders hilfreich ist.

Hier sind unsere Top 5 der schläfrigen Cannabissorten:

  • Northern Light: Diese klassische Cannabissorte ist eine alte Indica-Favoritin mit mäßigem bis hohem THC-Gehalt und einer Menge Myrcen. Sie ist köstlich, für ihre schlaffördernden Eigenschaften bekannt und eignet sich hervorragend zum Rauchen vor dem Schlafengehen.
Northern Light
  • Royal Jack Automatic: Diese Nachkommin von Jack Herer mit mäßigem THC-Gehalt enthält eine Menge Terpineol und Nerolidol, die dafür bekannt sind, Menschen schläfrig zu machen und ans Sofa zu kleben.
Royal Jack Automatic
  • Legendary OG Punch: Auch hier handelt es sich um eine Blüte, die voller Myrcen ist. Wohltuende, erdige Aromen werden Dich glücklich ins Bett bringen.
Legendary OG Punch
  • Sweet ZZ: Diese Sorte enthält das Terpen Humulen, das für die hopfigen Aromen von IPAs verantwortlich ist. Also, wenn Du Craft-Biere magst und eine Cannabissorte suchst, die genauso schmeckt und Dich ins Bett bringt, probiere mal Sweet ZZ.
Sweet ZZ
  • Medical Mass: Diese Sorte baut auf die kombinierte Kraft von THC und CBD. Mit einem milden THC-Gehalt von etwa 10% und einem hohen CBD-Gehalt ist sie ausgewogen, sanft und versetzt Dich in einen friedlichen Zustand, der Dich bereit für den Schlummer macht.
Medical Mass
  • Cannabissorten, die Dich wach machen

Es ist gut möglich, dass Du von Cannabis nicht müde werden willst, sondern lieber Energie und Kreativität hättest. Dies kann mit den folgenden 5 Sorten erreicht werden:

  • Chocolate Haze: Diese Sorte gehört zur Haze-Familie, die eine berühmte und klassische Sammlung sativadominierter Sorten ist. Sie hat einen hohen THC-Gehalt von etwa 20%, tauscht aber einige der schläfrigeren Terpene gegen belebende, energiereiche aus. Die Aromen und die zerebrale Wirkung sollten Dich auf Trab bringen.
Chocolate Haze
  • Green Crack Punch: Bei einem Namen wie diesen könnte man meinen, es wird hart zugeschlagen. Mit fruchtigen, pikanten Zitrus-Noten ist diese Sorte aber erfrischend und belebend – mit einem starken, aber überschaubaren THC-Gehalt von 18–20%.
Green Crack Punch
  • Royal AK: Diese preisgekrönte Sorte sorgt für einen klaren Kopf und ein gutes Gefühl. Rechne damit, entspannt zu sein, ohne Dich ans Sofa gefesselt zu fühlen.
Royal AK
  • Lemon Shining Silver Haze: Dies ist eine unglaublich starke Sorte, die bis zu 25% THC enthält. Eine Mikrodosierung könnte also der richtige Weg sein. In kleineren Dosen kann sie Gefühle von Kreativität und Euphorie hervorrufen. Bei höheren Dosierungen könntest Du ziemlich stoned werden!
Lemon Shining Silver Haze
  • Sour Diesel: Ist Dir nach geistiger Klarheit? Dann ist Sour Diesel genau das Richtige für Dich. Diese Sorte ist ein sehr vielseitiger Hybrid mit luziden Highs und köstlichen, scharfen Geschmacksrichtungen.
Sour Diesel

8 Methoden zum Vermeiden von Müdigkeit nach dem Rauchen von Weed

Möglicherweise hast Du nicht die Möglichkeit, die Cannabissorte zu wählen, die Du zu einem bestimmten Zeitpunkt für die beste hältst; vielleicht musst Du Dich mit dem zufrieden geben, was Du bekommen kannst. Ziehe in diesem Fall die folgenden Optionen in Betracht, um die Müdigkeitsgefühle zu lindern.

1. Probiere eine CBD-Sorte

Eine CBD-Sorte kann dem THC-Rausch die Schärfe nehmen und den Kopf ein wenig frei machen. Ob Du Dich dadurch weniger müde fühlst, sei dahingestellt – aber es sollte Dir helfen, Dich weniger groggy und ans Sofa gefesselt zu fühlen.

2. Bewegung

Das Blut in Bewegung zu bringen und mit Sauerstoff zu versorgen ist eine sehr gute Methode zum Wachwerden, ob Du Gras geraucht hast oder nicht. Egal, ob Du es im Rausch oder am nächsten Morgen tust – es kann wirklich helfen, den Kopf freizubekommen und Dein Energieniveau zu steigern.

3. Trinke Kaffee

Es ist auch kein Geheimnis, dass ein Kaffee Deine Energie steigern wird. Bedenke aber, dass dies auf Dauer auch zu Müdigkeit führen kann. Achte auch darauf, während Du high bist mit dem Koffeinkonsum aufzupassen, da dies ängstliche Gefühle verschärfen kann.

4. Duschen

Eine kräftige Dusche, ob heiß oder kalt, ist eine großartige Methode um sich auf Vordermann zu bringen und wach zu werden. Wenn Du Dich mutig (oder verzweifelt) fühlst – eine eiskalte Dusche wirkt wahre Wunder!

5. Bleibe aktiv (sitze nicht auf dem Sofa)

Beim Rauchen spazieren zu gehen wird die Wirkung stark beeinflussen. Wenn Du die ganze Zeit auf dem Sofa liegst und Zeichentrickfilme schaust, wirst Du Dich müde und faul fühlen, selbst wenn Du kein Gras rauchst. Genieße das Rauchen unbedingt, aber denke auch daran, dass Dich ein aktiver Lebensstil zu einem energiegeladeneren Menschen macht – Gras hin oder her.

6. Sei gesellig

Mit Freunden zusammen zu sein, zu reden, zu lachen und auszugehen, wird sicherlich Dein Energieniveau und Deine allgemeine Motivation steigern. Mit Freunden fühlt man sich gut, und sich gut zu fühlen, gibt Energie.

7. Microdosing

Die Verringerung der Menge, die Du rauchst, kann einen Unterschied machen. Die Mikrodosierung von Cannabis verändert die Wirkung, d. h. Du kannst weiterhin regelmäßig rauchen, ohne ständig müde zu sein.

Achte auch darauf, wann Du rauchst. Wenn Du davon immer müde bist, rauche vielleicht nicht tagsüber – mache es erst, wenn Du Deine notwendigen Aufgaben oder Verpflichtungen erledigt hast.

8. Mache eine Pause

Die kumulativen Wirkungen des Kiffens können langfristig zu Lethargie führen. Lass es für eine Weile bleiben. Du bekommst Deine Energie zurück und wirst auch feststellen, dass Deine Toleranz sinken wird und Du Dich beim nächsten Mal wieder wie ein Teenager fühlst, der es zum allerersten Mal probiert.

Musst Du Dir über Müdigkeit nach dem Weedkonsum Sorgen machen?

An sich nicht, aber wenn Du das Gefühl hast, es wirkt sich negativ auf Dein Leben aus, solltest Du eine Pause einlegen. Egal, wie sehr Du Gras magst – es lohnt sich nur, wenn es sich positiv auswirkt.

Mithilfe einer Pause kannst Du Deine Beziehung zu Cannabis auch so neu kalibrieren, dass sie gesund und hilfreich ist. Wenn Du Dich allerdings nur müde fühlst, während Du high bist, ist das wahrscheinlich kein Grund zur Sorge. Wenn Du lieber nicht müde sein willst, probiere verschiedene Sorten aus und erkunde die oben genannten Möglichkeiten.

External Resources:
  1. Cannabidiol in Anxiety and Sleep: A Large Case Series https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Nutraceuticals https://www.sciencedirect.com
  3. The effects of Δ9-tetrahydrocannabinol on the dopamine system https://www.ncbi.nlm.nih.gov
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