Der biologische Cannabisanbau verzichtet zu Gunsten des Erhalts der Boden-Mikroorganismen auf chemische Dünger auf Salzbasis. Das bedeutet jedoch nicht, dass man deshalb mehr düngen muss. Ein Mikroorganismus besteht aus einer Vielzahl nützlicher Mikroben, darunter Bakterien, Pilze, Algen, Hefen und andere Organismen.

Bei dieser Art des Anbaus "füttert" man die Mikroorganismen und während die Mikroben ihre Nahrung verdauen, werden Deine Pflanzen mit den Ausscheidungen der Mikroben gedüngt. Diese natürliche Technik ist perfekt ausgewogen und eliminiert beinahe jedes Risiko einer Überdüngung, eines Mangels oder eines Nährstoffstaus – sofern man sorgfältig arbeitet. Du musst Dir nicht einmal Gedanken über den pH-Wert machen.

Aber bedeutet das nicht, dass Deine Pflanzen etwas von ihrer Potenz einbüßen werden, wenn Du auf moderne Blüten- und THC-Booster verzichtest? Nicht unbedingt. Milchsäurebakterien (MSB) können sogar besser funktionieren.

WAS SIND MILCHSÄUREBAKTERIEN?

Milchsäurebakterien sind lebensmittelechte Mikroben, die zur Herstellung von Joghurt, Gurken und anderer fermentierter Lebensmittel verwendet werden. Manchmal verwenden Lebensmittelhersteller Lakto-Bakterien als Desinfektionsmittel. Werden Milchsäurebakterien entweder Flüssigkeiten oder Feststoffen hinzugefügt, die eine Form von Zucker enthalten, nehmen die MSB den Zucker auf, verdauen diesen und scheiden dann Milchsäure als Metaboliten oder Nebenprodukt aus.

Diese Mikroben sind nicht nur völlig harmlos, sondern sie sind nicht nur Dir, sondern auch Deinen Cannabispflanzen nützlich. Du hast Milchsäurebakterien in einem eigenen Mikroorganismus, der in Deinem Verdauungstrakt zu finden ist, weshalb viele Ärzte bei anfänglichen Problemen mit dem Magen den Verzehr von probiotischen Ergänzungsmitteln empfehlen, die Lakto-Bakterien enthalten. Regelmäßig Joghurt zu essen kann ebenfalls sehr hilfreich sein.

Milchsäurebakterien

WIE KÖNNEN MSB DEN CANNABISANBAU VERBESSERN?

Theoretisch kann die Verwendung von Milchsäurebakterien im Rahmen Deines biologischen Cannabisanbaus sowohl die Trichom- als auch Terpenproduktion verbessern. Diese Theorie wird sogar durch wissenschaftliche Forschung untermauert, die Du im Plant Journal und bei NCBI nachlesen kannst.

Einfach ausgedrückt bedeutet das: Während sie den Zucker verdauen, bilden Deine Milchsäurebakterien als Nebenprodukt eine kurzkettige Fettsäure, die Capronsäure genannt wird. Cannabispflanzen synthetisieren Capronsäure, um Terpene und Cannabinoide zu produzieren. Indem mehr Capronsäure hinzugefügt wird, liefert man die nötigen Bausteine zur Bildung weiterer Terpene, Cannabinoide und theoretisch auch mehr THC.

Eine weitere Studie untersucht, wie alle Arten von Farmern die Lakto-Bakterien für ein verbessertes Pflanzenwachstum nutzen können, indem sie biologische Dünger bioverfügbarer machen, Krankheiten verhindern und verschiedene schädliche Pilze und Bakterien unterdrücken. Dies bedeutet wiederum größere und gesündere Cannabispflanzen, die auch mehr Ertrag produzieren.

WIE FÜGE ICH MEINEM ANBAU MSB HINZU?

Wenn Du biologisch anbaust und die Direktsaatmethode anwendest, enthält Deine Erde vermutlich bereits Lakto-Bakterien. Milchsäurebakterien befinden sich überall, sogar in der Luft, und sie werden von der Erde aufgenommen, wenn Blätter oder anderes Pflanzenmaterial zu Boden fällt und zu verrotten beginnt. MSB, die bereits in Deiner Erde vorhanden sind, ernähren sich auch von alten organischen Stoffen.

Die meisten Lakto-Bakterien in Deiner Erde befinden sich innerhalb der ersten 15cm der Erdoberfläche, da diese Bakterien eine winzige Menge Sauerstoff benötigen, um zu überleben. Mikroben, die in diese Kategorie fallen, werden "fakultative Anaerobier" genannt. Das bedeutet, dass Du in der Lage sein solltest, die Oberfläche Deiner Erde mit zusätzlichen Milchsäurebakterien anzureichern, selbst wenn nicht jeder die Meinung teilt, dass dies möglich ist.

Wenn Du es trotzdem versuchen möchtest, kannst Du dem Gießwasser ein Milchsäurebakterien-Serum (MSBS) hinzufügen und auf Deine Erde oder direkt auf Deine Pflanzen sprühen.

WAS SOLLTE ICH BEI DER VERWENDUNG VON MILCHSÄUREBAKTERIEN VERMEIDEN?

Wenn man einen gesunden Mikroorganismus unterstützen möchte, sollte man auf jeden Fall Salz-basierte, chemische Dünger vermeiden. Diese werden den Großteil der nützlichen Mikroben abtöten, während manch andere schädliche überleben können.

Vermeide es soweit wie möglich, die Zusammensetzung der Erde zu verändern. Der Großteil der MSB befindet sich unmittelbar unter der Oberfläche und sobald UV-Licht auf die Bakterien trifft, kann dies tödlich für sie sein. Aus diesem Grund sollten Milchsäurebakterien stets nachts oder kurz bevor Du die Beleuchtung abschaltest angewandt werden.

Wie man Milchsäurebakterien hinzufügt

WO BEKOMME ICH LAKTO-BAKTERIEN?

Du kannst Dir ganz einfach mit Hilfe von Lebensmitteln und Gegenständen, die Du wahrscheinlich schon zu Hause hast, Dein eigenes Milchsäurebakterien-Serum kultivieren. Hier erfährst Du, wie es funktioniert:

ZUTATEN

  • 340g Reis
  • 240ml Wasser
  • 1 Liter Bio-Milch (Kommerzielle Milch enthält möglicherweise Antibiotika)

ZUBEHÖR

  • Weithalsgläser
  • Mulltücher
  • Gummiband
  • Papiertüte
  • Wasserkrug

ANLEITUNG

1. Sollte sich Chlor in Deinem Wasser befinden, lasse es 24 Stunden stehen, damit sich das Chlor verflüchtigt.

2. Gib Wasser und Reis zu gleichen Teilen in ein Glas.

3. Schüttle es sorgfältig und filtere die Flüssigkeit durch das Mulltuch in das zweite Glas. Das Wasser sollte milchig aussehen.

4. Bedecke das Gefäß mit einem frischen Stück Mulltuch und befestige es mit einem Gummiband.

5. Gib das Glas in eine Papiertüte oder wickele es mit einem Tuch ein, damit kein Licht eindringen kann.

6. Lass das Glas an einem warmen, dunklen Ort stehen.

7. Überprüfe täglich, ob sich Rückstände am Boden absetzen und dass die Mischung einen sauren Geruch aufweist, der auf den Beginn des Gärungsprozesses hinweist. Es dauert ca. 2–3 Tage, wenn die Temperatur konstant im Bereich von 25–30°C gehalten wird. Andernfalls kann dieser Schritt eine Woche oder länger dauern.

8. Schütte die Milch in einen Wasserkrug.

9. Schütte das fermentierte Reiswasser in den Krug und siebe es durch ein frisches Mulltuch.

10. Bedecke den Krug mit einem weiteren Mulltuch und befestige es mit einem Gummiband oder der Abdeckung für den Krug.
Stelle sicher, dass alles fest verschlossen ist, aber noch etwas Luft zirkulieren kann.

Milchsäurebakterien handgefertigt

11. Gib den Krug in eine Papiertüte oder wickele ihn in ein Mulltuch, damit kein Licht eindringen kann.

12. Stelle den eingepackten Krug an einen kühlen, dunklen Ort.

13. Überprüfe die Flüssigkeit im Krug täglich, bis Du 3 unterschiedliche Schichten erkennen kannst. Dies kann bis zu eine Woche dauern.

14. Schöpfe die oberste Schicht (den Quark) ab und entsorge sie.

15. Das Serum (die Molke) befindet sich in der mittleren Schicht und hat eine transparente, gelbe Farbe. Filtere das Serum vorsichtig durch ein Mulltuch in ein frisches Glas hinein. Achte darauf, dass sich die beiden unteren Schichten beim Abgießen nicht vermischen.

16. Verschließe das Glas lose, so dass Gase, die beim Fermentationsprozess entstehen, noch entweichen können.

17. Kühl stellen.

Das Serum lebt. Es wird weiterhin Bläschen produzieren und einen milden, süß/säuerlichen Geschmack haben. Sollte es faul oder verrottet riechen, ist Dein Serum mit anderen Bakterien verunreinigt und sollte entsorgt werden.

Um das Serum verwenden zu können, verdünnst Du 30ml davon mit 1 Liter chlorfreiem Wasser und füllst es in eine Sprühflasche. Eine Ladung frisch hergestelltes Serum reicht für ungefähr 500 Liter zum Sprühen.

Solltest Du Dein Serum nicht kühlen können, kannst Du es stabilisieren, indem Du der Mischung einen gleichen Teil Melasse oder braunen Zucker beimengst. Durch diese Hilfsmittel hat Deine Milchsäurebakterien-Kultur etwas zu essen, während sie darauf wartet, für Deine Cannabispflanzen verwendet zu werden.

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