Die bewusstseinsverändernde Natur von Cannabis verändert unsere Sicht auf die Dinge. Sie fördert unsere kreativen Fähigkeiten, lässt uns die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten und inspiriert zu großen existenziellen Fragen. Kein Wunder also, dass Religionen im Laufe der Jahrhunderte Cannabis genutzt haben, um eine engere Verbindung zum Göttlichen zu ermöglichen.

Wenn man innehält und darüber nachdenkt, erschüttert die wahre Natur der Realität den Geist. Es gibt keine unverrückbaren Antworten auf die Frage, warum wir existieren. Auf einem Felsbrocken kreuzen wir durch ein unendliches Universum. Allen Widrigkeiten zum Trotz entwickelte unser kosmisches Vehikel ein dünnes Stück Atmosphäre, die es dem Leben ermöglichte, sich zu entwickeln und sich in Millionen von Pilz-, Pflanzen- und Tierarten zu verzweigen.

Dann traten wir Menschen auf. Wir sind in der Tat seltsame Kreaturen. Irgendwie tauchten wir als ein zweibeiniges affenähnliches Tier mit Selbstbewusstsein auf. Diese Eigenschaft half uns nicht nur, Sprache und die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu entwickeln, sondern führte auch zu abstrakten Gedanken über andere Reiche, höhere Wesen und intelligentes Design.


Die Entwicklung der Religion

Vor Tausenden von Jahren waren unsere Vorfahren mehr auf die mystische Natur der Realität eingestellt. Ohne moderne Ablenkungen wurde ein Großteil ihres Lebens von Naturphänomenen, dem Willen der Götter und spirituellem Aberglauben bestimmt. Menschen auf der ganzen Welt haben Religionen als Rahmen entwickelt, um die mysteriöse Welt um sich herum zu verstehen.

Einige Akademiker vermuten, dass Religion aus evolutionären Prozessen stammt. Scholastische Abtrünnige schlagen dagegen kontroversere Ursprünge vor. Terence McKenna etwa entwickelte seine Theorie des berauschten Affen ("Stoned Ape Theory") – die Idee, dass die Einnahme von Psilocybin-Pilzen abstrakte Gedanken über Götter und spirituelle Reiche hervorrief.

Andere Forscher, darunter der Evolutionspsychologe Robin Dunbar, deuten die Ursprünge der Religion als eine soziologische Anpassung. Dunbar behauptet, dass Religion als "Anpassung auf Gruppenebene" aufgetreten sei, die als "eine Art Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält", funktionierte.

Unabhängig davon, wie die Religion tatsächlich entstand, spielte Cannabis in vielen Glaubenssystemen der Antike eindeutig eine wichtige Rolle. Aber der spirituelle Konsum von Cannabis ist auch heute noch anzutreffen. Entdecke, wie verschiedene Religionen im Laufe der Geschichte Cannabis in ihren Ritualen, Riten und Opfergaben genutzt haben.

Weed in der alten chinesischen Spiritualität

Das alte China war der Geburtsort des historischen Cannabiskonsums. Vor dem Aufkommen stärker strukturierter Religionen hatten die Menschen in dieser Region schamanistische und animistische Weltanschauungen. Dies lässt sich auf religiöse Praktiken der Yangshao-Kultur im Tal des Gelben Flusses zurückführen. Hier finden sich antike Gräber aus der Zeit zwischen 4 500 und 3 750 vor unserer Zeitrechnung mit Grabbeigaben[1], die auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod schließen lassen.

Die Glaubenssysteme des alten China wiesen Züge des Animismus auf – die Verehrung von Personifikationen der Natur. Schließlich entwickelte dieses archaische System mehr Struktur und ein Pantheon, das aus über 200 Göttern bestand. Ebenso besaßen die Menschen dieser Zeit einen starken Glauben an das Übernatürliche, einschließlich einer Betonung von Geistern, Ahnenverehrung, Drachengeistern und Wahrsagerei.

Praktizierende Schamanen gab es auch im alten China. Diese mystischen Figuren, die als "Wu" bekannt sind, werden so dargestellt, dass sie die Kontrolle über das Wetter haben, mit Geistern kommunizieren können und einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, magische Kräuter zu sammeln, um Krankheiten zu behandeln.

Die spezifische Verwendung von Cannabis in dieser Welt der Geister, Götter und Magie bleibt unklar. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Gras und Spiritualität in irgendeiner Weise miteinander verbunden waren. Archäologen haben Cannabisblätter, -triebe und -blüten aus 2 500 Jahre alten Yanghai-Gräbern im Nordwesten des heutigen China ausgegraben. Erstaunlicherweise blieben Zellstruktur und Trichome[2] dieser Exemplare über die Jahrtausende intakt.

Das Vorhandensein von Cannabis in Gräbern deutet auf eine spirituelle Verwendung der Pflanze hin, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das Kraut in den schamanischen und animistischen Systemen des alten Chinas eine Rolle spielte. Nicht konservierte Exemplare sind oder wären allerdings bereits vor Tausenden von Jahren zugrunde gegangen, weshalb es unmöglich ist, genau zu bestimmen, wie und wo diese alten Bevölkerung Cannabis spirituell konsumierte.

Weed in der alten chinesischen Spiritualität

Taoismus und Cannabis

Das wichtigste Prinzip des Taoismus lautet: "Geh mit dem Strom". Die taoistische Weltsicht versteht das Universum als eine große verflochtene bewusste Kraft[3]. Das "Tao" selbst ist die Quelle, Substanz und Grundenergie, die durch alle Dinge fließt und sie belebt. Allein aufgrund dieser Ansicht scheint es so, als müsste viel Gras geraucht worden sein, um zu dieser kosmischen Schlussfolgerung zu gelangen.

Die Entstehung des Taoismus in China geht mindestens auf das 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zurück. Historiker schreiben dem alten chinesischen Philosophen und Schriftsteller Lao Tzu (dessen tatsächliche Existenz umstritten ist) die Begründung dieser Religion zu. Wer sich am Weg des Tao orientiert, versucht, mit Natürlichkeit, Einfachheit und Spontaneität zu leben. Den Anhängern sind auch die "Drei Schätze" heilig: Mitgefühl, Genügsamkeit und Demut.

Ebenso praktizieren Taoisten Alchemie, um Unsterblichkeit zu erlangen. Sie nehmen an Ritualen, Übungen und ekstatischen spirituellen Reisen teil, denen sie die Fähigkeit zuschreiben, sie mit kosmischen Kräften auszustatten und ihr biologisches Leben zu verlängern.

Da das alte China als Geburtsort des historischen Cannabiskonsums gilt und taoistische Praktiken so abstrakt und trippy wirken, erscheint es fast logisch, dass Cannabis eine Rolle in dieser Religion gespielt haben muss. Nun, es hat sich tatsächlich herausgestellt, dass die Taoisten das Kraut nicht gerade scheuten.

Bestimmte Sekten sahen in Cannabis vielmehr sogar die Verkörperung einer Gottheit. Während der Tang-Dynastie verband der Kult der Magu ("Frau Hanf") das taoistische Xian ("Unsterblichkeit") mit dem Lebenselixier. Einer taoistischen Legende zufolge besetzte Magu den heiligen Berg Tai, wo Anhänger am siebten Tag des siebten Monats Cannabis sammelten, während taoistische Bankette abgehalten wurden.

Auch taoistische Texte belegen die Bedeutung von Cannabis in diesem Weltbild. Die taoistische Enzyklopädie Wushang Biyao (übersetzt als "Supreme Secret Essentials"), verfasst im Jahr 570 unserer Zeitrechnung, dokumentiert die Verwendung von Cannabis in Räucherstäbchen während Ritualen sowie die taoistische Neigung, mit bewusstseinsverändernden Raucherfahrungen zu experimentieren.

Shintoismus: Frühe Cannabis-Spiritualität in Japan

Auch Japan blickt auf eine lange Geschichte mit der Hanfpflanze zurück. Indigene Völker der Insel haben daraus Kleider und Körbe hergestellt sowie die Samen verzehrt. Es überrascht daher nicht, dass Cannabis in der alten Religion des Shintoismus hohes Ansehen besaß.

Als die indigene Religion Japans ist der Shintoismus oder "der Weg der Götter" so alt wie die Nation selbst. Als eher dezentralisiertes Glaubenssystem unterscheidet sich der Shintoismus dramatisch von anderen Glaubensrichtungen. Diese Religion wurde nicht von einer einzelnen Person gegründet und Gottesdienste oder Predigten sind unüblich. Stattdessen entwickelte der Shintoismus sich organisch aus der Kultur und den Menschen Japans heraus. Anhänger des Shinto glauben an heilige Geister namens Kami, die Formen natürlicher Elemente, Organismen und Strukturen wie Berge, Wind und Bäume annehmen.

Shinto fehlt eine streng objektive Moral; ohne strenge Lehren über richtig oder falsch akzeptiert die Religion, dass der perfekte Mensch nicht existiert. Sie birgt ein abergläubisches und spirituelles Weltbild. Während Menschen als grundsätzlich gut wahrgenommen werden, können sie den Taten böser Geister zum Opfer fallen.

Aber was kann ein sterblicher Mensch gegen einen solchen Gegner tun? Nun, natürlich schnappt er sich etwas Gras! Cannabis hat im Shintoismus eine spirituelle Bedeutung: Die Anhänger sehen das Kraut als reinigende Pflanze, die böse Geister vertreiben kann. Shinto-Priester wedeln Cannabisbündel[4] über besessenen Individuen, um sie von lästigen bösartigen Geistern zu befreien.

Shintoismus: Frühe Cannabis-Spiritualität in Japan

Buddhismus und Marihuana

Buddhisten vertreten unterschiedliche Ansichten, wenn es um Cannabis geht. Einige Sekten stehen dem Cannabiskonsum offener gegenüber, während andere ihn strikt ablehnen. Ungeachtet dieser gegensätzlichen Meinungen spielte das Kraut eine Rolle auf der Reise des Buddha – Gautama Buddha ernährte sich über einen Zeitraum von sechs Jahren auf seinem Weg zur Erleuchtung von einem Hanfsamen pro Tag.

Die buddhistische Religion entstand zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung im alten Indien. Die Lehren von Gautama Buddha entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem großen Bestand an Traditionen und spirituellen Praktiken. Die wichtigsten Glaubenssätze des Buddhismus lehren über Karma, Wiedergeburt, Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburt und das Eingehen ins Nirvana (der Transzendenz des Leidens).

Buddhisten folgen auch einer Reihe von Überzeugungen, die als die Fünf Silas bekannt sind. Das fünfte Silas verbietet ausdrücklich die Berauschung durch Alkohol und Drogen. Es scheint, als ob diese Regel den Cannabiskonsum vollständig ausschließen würde. Die Seiten des Mahakala-Tantra (eine achtteilige Schrift) sprechen davon, dass Cannabis und andere bewusstseinsverändernde Substanzen für medizinische Zwecke verschrieben werden.

Die drei Hauptzweige des Buddhismus betrachten Cannabis aus unterschiedlichen Perspektiven.

  • Theravada-Buddhismus

Als älteste existierende buddhistische Schule vertritt Theravada ("Schule der Ältesten") eine konservative Sicht auf Cannabis und nimmt das Fünfte Silas viel ernster, was zu einer stärkeren Anti-Drogen-Haltung führt, als dies in anderen Zweigen der Fall ist.

  • Mahayana-Buddhismus

Die Mahayana-Richtung[5] ("Großes Fahrzeug") akzeptiert zwar die wichtigsten buddhistischen Schriften und frühen Lehren, hat allerdings ihrem Zweig eigene Lehren und Texte hinzugefügt. Mahayana legt mehr Wert auf den Bodhisattva-Pfad (den Weg zur Buddhaschaft) und pflegt einen etwas entspannteren Umgang mit Cannabis. Ihr ethischer Kodex lehrt, dass alles, was für einen Menschen von Nutzen ist, akzeptiert werden sollte – was zumindest auf eine Toleranz gegenüber medizinischem Marihuana hindeutet.

  • Vajrayana-Buddhismus

Die Vajrayana-Schule ("Weg des Diamanten") behauptet, dass sie einen schnelleren Weg zur Erleuchtung bietet und respektiert das Konzept des Karmas sehr stark. Diese Schule sieht Cannabis und andere Tabus am wenigsten streng. Sie ermutigt ihre Anhänger, die Essenz der Reinheit in allen Dingen zu sehen, einschließlich Sex und Drogen wie Marihuana.

Altes Ägypten: Belege für Gras und Spiritualität?

Die altägyptische Spiritualität drehte sich um ein Pantheon von Göttern, das sowohl die Natur als auch die menschliche Gesellschaft kontrollierte. Ihre Anhänger vergötterten Kräfte und Lebensformen in der umliegenden Welt, einschließlich der Elemente und der Eigenschaften einiger Tiere. Viele der spirituellen Praktiken zielten darauf ab, zum menschlichen Nutzen die Gunst der Götter zu erlangen, während andere sich um die Pharaonen drehten, von denen man annahm, dass sie göttliche Kräfte besitzen.

Die alten Ägypter verwendeten Cannabis für industrielle und therapeutische Zwecke; die genaue zeremonielle und religiöse Verwendung des Krauts bleibt allerdings unklar. Archäologen haben jedoch beim Studium der mumifizierten Pharaonen Hinweise auf Cannabiskonsum gefunden. Aufgrund ihres göttlichen Status legen diese Ergebnisse die Verwendung des Krauts in einem religiösen Kontext nahe. Ebenso fanden die Forscher einen erheblichen THC-Gehalt neben Kokain und Nikotin, als sie eine Mumie untersuchten, deren Alter auf rund 950 Jahre vor unserer Zeitrechnung geschätzt wird. Auch an der Mumie von Ramses II.[6], der 1213 vor unserer Zeitrechnung starb, fand man Cannabispollen.

Hinduismus und altes orales Cannabis

Hinduismus und altes orales Cannabis

Gras und Spiritualität gehen im Hinduismus Hand in Hand. Als eine der ältesten Religionen der Welt reicht der Glaube über 4 000 Jahre zurück. Zu den wichtigsten Überzeugungen innerhalb des hinduistischen Systems gehören Reinkarnation, Karma, der Glaube an die Seele (Atman) und die Erlösung, die den Kreislauf der Wiedergeburt beendet (Moksha).

Hindus verehren Cannabis als Sakrament, Opfergabe und Substanz, die aus dem Blut von Shiva gebildet wird – einem Mitglied der Dreieinigkeit ihrer Religion. Die heiligen Texte der Religion, die als Veden bekannt sind, sprechen sogar von der Heiligkeit von Marihuana. Auf diesen Seiten werden fünf heilige Pflanzen beschrieben, zu denen auch Cannabis gehört. Einige Hindus glauben, dass ein Schutzengel die Blätter bewohnt. Die Veden beschreiben Cannabis auch als "Befreier" und "Quelle des Glücks".

Ebenso spielt Bhang eine wichtige Rolle bei hinduistischen Festen. Dieses psychoaktive Getränk, das aus Cannabis, Milch und aromatischen Kräutern hergestellt wird, sorgt während Shivratri (der Nacht von Shiva) und Holi (dem Fest der Farben) für einen veränderten Bewusstseinszustand.

Judentum und Marihuana

Die monotheistische Religion des Judentums hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Christentum. Obwohl Juden Jesus nicht als den Messias anerkennen (ein wichtiger Glaubensbestandteil, der sie von Christen unterscheidet), betonen auch sie die Bedeutung von Vergebung, Gebet, Fasten und dem Befolgen der göttlichen Gesetze.

Der Konsum von Cannabis im antiken Judentum bleibt ein umstrittenes Thema. Im Jahr 2020 fanden israelische Archäologen in Tel Arad Spuren des Krauts auf Artefakten eines Schreins aus dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Ebenso argumentieren einige Gelehrte, der Begriff "Kaneh Bosem" aus dem Buch Exodus, der eine Pflanze benennt, die im heiligen Salböl verwendet wird, beziehe sich auf Cannabis. Andere Wissenschaftler widerlegen diese Übersetzung jedoch und schlagen vor, dass hier andere Pflanzenarten gemeint seien.

Ungeachtet des uralten Cannabiskonsums im Judentum nehmen Rabbiner in der Neuzeit eine gemischte Haltung zum Thema Gras ein. 1978 erinnerte der orthodoxe Rabbiner Moshe Feinstein die Anhänger daran, dass Cannabis nach jüdischem Gesetz verboten sei, und verwies darauf, wie das Kraut die Gläubigen daran hindert, zu beten und die Tora zu studieren. Andere moderne Rabbiner vertreten eine gegensätzliche Ansicht. Manche sind mit medizinischem Cannabis vollends einverstanden und behaupten sogar, das Kraut habe zu Pessach einen koscheren Status.

Judentum und Marihuana

Christentum und Cannabis

Ähnlich wie das Judentum vertreten auch Christen unterschiedliche Ansichten, wenn es um Gras geht. Konservativere Konfessionen, darunter orthodoxe, katholische und einige protestantische Kirchen, prangern den Cannabiskonsum an. Andere protestantische Zweige unterstützen jedoch den Gebrauch von medizinischem Marihuana, darunter die Presbyterian Church, die United Church of Christ und die Episcopal Church in den USA.

Einige Gelehrte behaupten, dass Cannabis in der Bibel indirekt erwähnt werde: "Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.". Andere setzen dieser vermeintlichen Rechtfertigung für den Cannabiskonsum Passagen wie Petrus 5,8 entgegen: "Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge."

Einige Gelehrte, die sich mit heiligen Schriften befassen, haben die Diskussion um Cannabis noch einen Schritt weitergeführt. Basierend auf der bereits erwähnten Kaneh-Bosem-Behauptung argumentieren sie, Jesus und seine Jünger hätten Cannabis als Zutat in einer Heilsalbe verwendet.

Cannabis-Spiritualität im Islam

Obwohl der Islam als konservativ empfundene Praktiken befürwortet, bewegt sich Cannabis dort in einer Grauzone. Der Koran, der zentrale Text der Religion, verwendet den Begriff "haram", um bestimmte Verhaltensweisen, einschließlich des Konsums von Alkohol, zu verbieten. Obwohl der Prophet Mohammed anerkannte, dass Alkohol eine gewisse medizinische Anwendung haben kann, behauptete er, dass sein Potenzial zur Sünde die Nutzen bei weitem überwiegt.

Warum aber hat Mohammed den Konsum von Marihuana nicht verboten? Es hat sich herausgestellt, dass er wahrscheinlich von dessen Existenz gar nichts wusste. Obwohl Menschen, die in Indien und im Iran leben, Cannabis bereits 1 000 vor unserer Zeitrechnung als Rauschmittel konsumierten, entdeckten die Menschen im Nahen Osten Haschisch erst 1800 Jahre später[7], zwei Jahrhunderte nach dem Tod Mohammeds.

Allerdings stellte Mohammed in einem seiner Hadithe (Sprüche) fest: "Wenn etwas stark berauscht, dann ist auch ein wenig davon haram". Es könnte sehr gut sein, dass er, wenn er es gekannt hätte, Cannabis neben Alkohol als "haram" bezeichnet haben würde.

Im mystischen Zweig des Islam spielte Cannabis eine spirituelle Rolle. Anhänger dieser Praxis, die als Sufismus bekannt ist, leben einen asketischen Lebensstil. Sie verzichten auf weltliche Dinge und versuchen, die Seele durch Fasten und Gebet zu reinigen.

Der persische Sufi-Heilige Qutb ad-Dīn Hayder entwickelte eine Vorliebe für Cannabis und löste dadurch eine Explosion seiner Popularität in der islamischen Welt aus. Die Geschichte besagt, dass Haydar bei einem Spaziergang durch die Landschaft über Cannabis stolperte und die göttliche und fröhliche Natur der Pflanze[8] entdeckte. Nach einer Zeit, die sich nach einer großartigen Erfahrung anhört, kehrte Haydar zu seinen Schülern zurück und sagte ihnen: "Der allmächtige Gott hat euch durch eine besondere Gunst die Tugenden dieser Pflanze geschenkt, die die Schatten, die eure Seelen vernebeln, zerstreuen, und euren Geist erhellen wird".

Gelehrte vertreten die Ansicht, Haydar habe die göttliche Wirkung von Cannabis als esoterisches Geheimnis bewahren wollen. Allerdings sprach es sich bald herum. Die Dinge entwickelten sich so weit, dass sich der spirituelle Gebrauch von Marihuana auf Syrien, Ägypten und den Irak ausbreitete, wo es als "Haydars Dame" bekannt wurde.

Der skythische Totenkult und der zeremonielle Gebrauch von Cannabis

Der skythische Totenkult und der zeremonielle Gebrauch von Cannabis

Die Skythen. Ach, die Skythen. Jeder, der ein Faible für Geschichte hat, wird es genießen, diese Dothraki-ähnliche Zivilisation zu erkunden. Die nomadische Kultur der arischen Reiterkrieger lebte in der pontischen Steppe, einer Region, die sich vom Nordufer des Schwarzen Meeres bis nach Westkasachstan erstreckt.

Wenn die skythischen Stämme gerade keine neuen Killerbögen erfanden oder rivalisierende Zivilisationen eroberten, richteten sie Hotboxen ein und ließen es sich gut gehen. Aber ihr Cannabiskonsum hat einen düsteren Anklang: Sie verwendeten das Kraut bei Begräbniszeremonien. Nach Bestattungen reinigten sich die Skythen, indem sie in Zelten saßen, die mit Cannabisrauch gefüllt waren.

Der antike griechische Schriftsteller Herodot berichtete über dieses Ritual: "...die Skythen haben einige Samen von diesem Hanf genommen, sie kriechen unter die Tücher und legen die Samen auf glühende Steine". Herodot sprach auch über die offensichtlichen Auswirkungen dieser Praxis: "Die Skythen, von diesem Rauch erfasst, schreien laut".

Cannabis in der germanischen Religion

Die germanische Religion ist ein Sammelbegriff für die heidnischen religiösen Riten und Kulte germanischer Stämme und Völker von der Eisenzeit bis zum Mittelalter. Reich an Mythologie und Folklore, verehrten germanische Völker ein weitläufiges Pantheon von Göttern[9], zu denen Odin, Thor, Balder, Loki und Freyja gehörten. Um diese Götter zu beschwichtigen, gab es häufig dunkle Aktivitäten, darunter Menschenopfer in verschiedenen Formen.

Es gibt nicht viele Belege, die den Konsum von Cannabis mit spirituellen Praktiken innerhalb dieses Glaubenssystems in Zusammenhang bringen würden. Allerdings haben Praktizierende Cannabis möglicherweise mit Freyja, der nordischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, in Verbindung gebracht.

Rastafari: Cannabis als Sakrament

Man kann keinen Artikel über Cannabis und Religion schreiben, ohne die Rastafari zu erwähnen. Auch als Rastafarianismus bekannt, hat dieses Cannabis-liebende Glaubenssystem mit dem Judentum sowie dem Christentum viel gemeinsam. Praktizierende des Glaubens betrachten die Bibel als ihr heiliges Buch. Sie sind Monotheisten, die "Jah" anbeten, kurz für Jehova, den Namen Gottes in der Bibel. Aber die Rastafari-Ideologie unterscheidet sich auch dadurch vom Christentum, dass die Gläubigen Haile Selassie, zwischen 1930 und 1974 Kaiser von Äthiopien, als die Wiederkunft Christi betrachten.

Rastas leben nach mehreren Schlüsselpraktiken. Viele gläubige Anhänger halten sich an eine als "ital" bezeichnete Ernährungsweise, die sich auf lokal und biologisch angebaute Lebensmittel konzentriert. Die meisten Rastas befolgen die im Buch Levitikus festgelegten Ernährungsvorschriften und vermeiden Schweinefleisch und Krustentiere, während andere sich entweder für eine vegetarische oder vegane Ernährung entscheiden.

Auch Cannabis bildet ein wichtiges Element der spirituellen Praktiken der Rastafari. Rastas rauchen Cannabis auf rituelle Weise. Sie verwenden das Kraut oft während "Erdungen" (englisch: "groundings"). Diese Versammlungen pflegen die Beziehungen zwischen gleichgesinnten Anhängern. Sie beinhalten normalerweise gemeinsames Trommeln, das Rauchen von Gras und das Singen von Kirchenliedern.

Rastas sind der Ansicht, dass sich die Passagen in der Bibel, die man als Hinweis auf Cannabis verstehen könnte, tatsächlich auf das Kraut beziehen. Sie betrachten die Pflanze als Sakrament, das Gefühle von Frieden und Liebe, Selbstbeobachtung und die Entdeckung der inneren Göttlichkeit fördert.

Rastafari: Cannabis als Sakrament

Cantheismus: Eine Religion basierend auf Marihuana und Spiritualität

Während Cannabis in den Religionen der Vergangenheit eine untergeordnete Rolle spielte, haben moderne spirituelle Systeme Gras zum theologischen Kernstück gemacht. Die aufstrebende Religion des Cantheismus verwendet das Kraut als Sakrament, um Gemeinschaft und Verbundenheit zu pflegen.

Der Cantheismus wurde 1996 vom Cannabis-Aktivisten Chris Conrad gegründet und vertritt keine Dogmen, sondern nur lockere Rituale sowie Codes und verschmilzt Marihuana und Spiritualität. Ein Cantheisten-Gottesdienst sieht so aus: Die Teilnehmer treffen sich an einem Sonntagnachmittag, alle bringen Gras zum Teilen mit und auf dem Altar gibt es eine lebende Pflanze und Hanfschnur.

Um die Zeremonie zu starten, sitzen die Teilnehmer in einem Kreis und sprechen das Glaubensbekenntnis. Der Leiter der Zeremonie erklärt: "Ich schätze Cannabis-Hanf als Sakrament, das ich verwende, um mich mit meiner Gemeinschaft und mit mir selbst zu verbinden", worauf die Teilnehmer antworten: "Deshalb teilen wir es in Dankbarkeit und tiefem Respekt für seine harzigen Kräfte".

External Resources:
  1. Religion in Ancient China - World History Encyclopedia https://www.worldhistory.org
  2. A new insight into Cannabis sativa (Cannabaceae) utilization from 2500-year-old Yanghai Tombs, Xinjiang, China - ScienceDirect https://www.sciencedirect.com
  3. Taoism | National Geographic Society https://www.nationalgeographic.org
  4. The Secret History of Cannabis in Japan https://apjjf.org
  5. Mahayana Buddhism - World History Encyclopedia https://www.worldhistory.org
  6. Drug History Timeline https://drugtimeline.ca
  7. HASHISH IN ISLAM https://europepmc.org
  8. HASHISH IN ISLAM https://europepmc.org
  9. Germanic religion and mythology - Beliefs, practices, and institutions | Britannica https://www.britannica.com
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