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By Luke Sumpter


Cannabinoide. Schon der Name dieser Klasse chemischer Verbindungen lässt den Gedanken aufkommen, sie seien exklusiv für Cannabis. Es stimmt zwar, dass Forscher zuerst in der umstrittenen Pflanze Cannabinoide identifiziert haben, allerdings wurde ihr Vorkommen seitdem auch in einer wachsenden Liste weiterer Pflanzen- (und Pilz-) Arten nachgewiesen. Einige davon sind weit verbreitet – Du hast sie wahrscheinlich sogar in Deiner Küche –, während andere eher unbekannt und exotisch sind.

Die Cannabinoide THC und CBD sind die Superstars der Cannabiswelt. THC untermauert die berauschende, euphorische Wirkung von Cannabis, während CBD für eine klare, nicht berauschende Wirkung sorgt. Abgesehen von den beiden wichtigsten Cannabinoiden produziert Cannabis während seines gesamten Lebenszyklus über 100 weitere Cannabinoide. Mittlerweile sind Cannabiswissenschaftler ziemlich vertraut mit CBG, CBC und THCV; den Rest der Bande bekommen sie gerade erst in den Griff.

Was genau ist ein Cannabinoid?

Der legendäre Cannabis-Wissenschaftler Dr. Raphael Mechoulam – der Mann, der THC entdeckte – unternahm 1979 erstmals einen Versuch, den Begriff "Cannabinoide" zu definieren. Er klassifizierte sie gemeinsam mit ihren Carbonsäuren als eine Gruppe von Verbindungen, die in Cannabis sativa vorkommen.[1]

Cannabinoide werden als Verbindungen definiert, die mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems (ECS) interagieren.[2] Da das ECS bis zu einem gewissen Grad fast jedes physiologische System reguliert, sind Forscher daran interessiert, Verbindungen zu untersuchen, die dieses umfangreiche Netzwerk beeinflussen können.

Die neue Definition des Begriffs "Cannabinoid" hat sicherlich die Jagd nach bemerkenswerten Chemikalien befeuert, zumal eine wachsende Liste von Organismen Cannabinoide oder Cannabinoid-ähnliche Substanzen enthält.

  • Ein Wort zu Cannabimimetika

"Cannabimimetikum" ist ein Begriff, der häufig in der wissenschaftlichen Literatur auftaucht und sich auf nicht von Cannabis abgeleitete Verbindungen bezieht, die die Wirkung klassischer Cannabinoide an ECS-Rezeptorstellen nachahmen. In Übereinstimmung mit neueren Definitionen erfüllen jedoch viele dieser Verbindungen tatsächlich die pharmakologische Definition eines Cannabinoids. Einige Cannabimimetika interagieren jedoch nicht mit ECS-Rezeptoren. Sie beeinflussen vielmehr andere Komponenten des Systems, beispielsweise die Enzymaktivität.

Ein Beispiel dafür gibt es auch bei Cannabis. Während Moleküle wie THC, CBD und CBG aufgrund ihrer molekularen Struktur als Cannabinoide eingestuft werden, gelten aus pharmakologischer Sicht immer mehr aus Cannabis gewonnene Terpene trotz unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung ebenfalls als Cannabinoide.

Eine in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass die Terpene α-Humulen, Geraniol, Linalool und β-Pinen an den CB1-Rezeptor binden – dieselbe Stelle, an der THC seine psychotropen Wirkungen ausübt.[3]

Warum produzieren Pflanzen (und Pilze) Cannabinoide?

Die Organismen, die diese Verbindungen produzieren, tun dies in erster Linie, um sich selbst zu schützen. Cannabinoide fallen in eine chemische Kategorie, die man als "sekundäre Metaboliten" kennt.

Während Primärmetaboliten direkt an Struktur, Wachstum und Fortpflanzung einer Pflanze beteiligt sind, stellen Sekundärmetaboliten eine botanische Form der chemischen Kriegsführung dar. Diese Verbindungen werden produziert, um Schädlinge abzuschrecken, grasende Pflanzenfresser abzuwehren und sogar den Organismus vor UV-Strahlen zu schützen.

Warum haben sie dann eine so spezifische Wirkung auf den menschlichen Körper? Eine gute Frage, in der Tat. Manche Menschen halten ein wissenschaftlich nicht belegbares "Intelligent Design" dafür verantwortlich, während andere behaupten, die Menschheit hätte sich neben Cannabinoid-produzierenden Organismen entwickelt.

Im Folgenden lernst Du eine Reihe weiterer Pflanzen- und Pilzarten kennen, die ebenso das ECS beeinflussende Cannabinoide oder Chemikalien produzieren. Es überrascht nicht, dass derzeit Studien das klinische Potenzial vieler dieser Verbindungen untersuchen. Daher werden diese Substanzen in naher Zukunft wahrscheinlich häufiger in den Bereichen Medizin und Cannabis erwähnt werden.

Sonnenhut (Echinacea)

Cannabinoid(e): Alkamide

Der wissenschaftliche Name für Sonnenhut lautet Echinacea, und die Gattung besteht aus neun Arten, die aus Nordamerika stammen. Die dortigen Ureinwohner nutzten diese Pflanzen für ganzheitliche Zwecke, und heute ist der Sonnenhut in Zubereitungen wie Tees, Tinkturen und Kapseln weit verbreitet. Die Forscher konzentrieren ihre Bemühungen darauf, die wichtigsten Wirkstoffe von Echinacea, die als Alkamide bezeichnet, zu verstehen.

Diese Substanzen ähneln stark den chemischen Strukturen der im menschlichen Körper vorkommenden Endocannabinoide, nämlich Anandamid und 2-AG. Frühe Studien haben gezeigt, dass Alkamide mit den beiden wichtigsten ECS-Rezeptoren – Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2) – interagieren.[4] Ebenso zeigen Alkamide Aktivität an Peroxisom-Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPARs), Stellen, die man dem "erweiterten Endocannabinoid-System“ zuordnet.

Jambú (Acmella oleracea)

Cannabinoid(e): Spilanthol

Diese seltsame Pflanze schickt einen Stromstoß durch den Mund. Im Ernst, diese essbaren mehrjährigen Blumen sehen nicht nur schön aus; wenn man sie kaut, kribbeln sie auf der Zunge – ein neuartiges und außergewöhnliches Lebensmittel.

Indigene Kulturen in Brasilien und Argentinien haben diese Blume traditionell verwendet, um Zahnschmerzen zu bekämpfen. Obwohl umfassende Studien erforderlich sind, um diese Verwendung zu belegen, haben Forscher entdeckt, dass Jambú eine Substanz namens Spilanthol produziert, die an den CB2-Rezeptor bindet.[5]

Obwohl diese Bindung nicht sehr effektiv ist, zeigt sie trotzdem ein gewisses Maß an Affinität. Da der CB2-Rezeptor eine bedeutende Rolle bei der Immunantwort spielt, könnten zukünftige Studien zeigen, dass die genannten traditionellen Kulturen etwas auf der Spur waren.[6]

Helichrysum umbraculigerum

Cannabinoid(e): CBG/CBG-Analogon

Diese schnellwüchsige mehrjährige Pflanze der Gattung der Strohblumen entwickelt schwefelgelbe Blüten. Die schirmartigen Blüten stammen aus dem südlichen Afrika – vom Hochland Simbabwes bis zum Ostkap.

In dieser farbenfrohen Spezies wirst Du kein THC finden, und CBD ebenso wenig. Stattdessen produziert diese Pflanze einen nahen Verwandten von CBG. In ersten Untersuchungen wurde behauptet, dass man in der Pflanze genau diese Verbindung gefunden hat, was jedoch durch nachfolgende Forschungen nicht bestätigt werden konnte. Eine 2018 durchgeführte Studie fand jedoch ein Phenethyl-Analogon von CBG, das als Heli-CBG bekannt ist.[7]

Die Erforschung dieser Art steht noch am Anfang; zudem sehen Wissenschaftler sich bei der Beschaffung von Proben mit strengen Einschränkungen und Schwierigkeiten konfrontiert. Vieles bleibt unbekannt, aber einige Forscher glauben, dass Helichrysum umbraculigerum die molekulare Maschinerie besitzt, um psychoaktive Cannabinoide zu produzieren.

Lebermoos (Radula marginata)

Cannabinoid(e): PET, CBGA-Analoga

Lebermoos klingt eigentlich nicht unbedingt nach einer Pflanze, in der man Cannabinoide finden kann. Diese bescheidene Art, die in Neuseeland beheimatet ist, trägt den Namen Wairuakohu und gehört zu einer Pflanzengruppe namens Bryophyten. Diese Exemplare besitzen keine Wurzeln oder Gefäßgewebe und erhalten stattdessen Wasser sowie Nährstoffe über die Luft.

Maori-Heiler in der Region nutzen traditionell Lebermoos, um die Leber und das Verdauungssystem zu fördern. Jetzt hat diese bescheidene Spezies wegen ihrer Fähigkeit, Cannabinoide herzustellen, Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

In der Zeitschrift Frontiers in Plant Science veröffentlichte Studien sequenzierten Lebermoos und entdeckten nicht nur Gene, die an der Biosynthese von Cannabinoiden beteiligt sind, sondern auch Analoga von CBGA.[8] Die Pflanze produziert allerdings nicht nur Vorläufer der wichtigsten Cannabinoide. Weitere chemische Untersuchungen haben ein psychoaktives Molekül entdeckt, das THC sehr ähnlich ist – bekannt als Perrottetinen (PET) –, das zu einem Boom des Internetverkaufs von Lebermoos als "Legal High" geführt hat.[9]

Schwarzer Pfeffer (Piper nigrum)

Cannabinoid(e): β-Caryophyllen, Guineensin

Schwarzen Pfeffer über Pfannengerichte und Suppen zu streuen, verleiht einen scharfen Kick, schmückt aber auch Speisen mit Cannabinoiden! Das Gewürz enthält eine Verbindung namens Beta-Caryophyllen, das sowohl als Terpen als auch als Cannabinoid gilt. Tatsächlich ist es eines der am häufigsten in Cannabis vorkommenden Terpene und verleiht vielen verschiedenen Sorten Geschmacksnoten von Würze und Süße.

Da die Verbindung auch in gebräuchlichen Kräutern wie Nelken, Basilikum und Oregano vorkommt, bezeichnen Forscher es als diätetisches Cannabinoid.[10] β-Caryophyllen bindet stark an CB2, und laufende Studien untersuchen das Potenzial der Chemikalie bei der Behandlung von Entzündungen, beschleunigt die Heilung von Frakturen und bekämpft durch diesen Mechanismus sogar Angstzustände und Depressionen.

Abgesehen von den Cannabinoiden in der Nahrung enthält schwarzer Pfeffer auch ein Molekül, das den Endocannabinoid-Spiegel beeinflusst. Der Wirkstoff Guineensin hemmt den Abbau von Anandamid und erhöht vorübergehend die zirkulierenden Mengen.[11] Zukünftige Studien werden die potenzielle Rolle dieser Substanz bei klinischem Endocannabinoid-Mangel und anderen Erkrankungen untersuchen.

Schokolade (Theobroma cacao)

Cannabinoid(e): Anandamid/Anandamid- Wiederaufnahmehemmer

Schokolade wächst buchstäblich auf Bäumen. Das ist richtig, bevor sie in farbigen Verpackungen in den Supermarktregalen auftaucht, beginnt ihr Leben als Kakaobohne – dem getrockneten und fermentierten Samen von Kakaofruchtschoten.

Die im Amazonasgebiet heimische Kakaobohne hat eine lange und reiche Geschichte: Die Mayas verwendeten sie bei spirituellen Zeremonien und der aztekische Herrscher Moctezuma II trank Kakaogetränke aus einem goldenen Kelch. Heutzutage naschen die Leute hauptsächlich Schokolade als Muntermacher. Aber warum tut uns dieser angenehme Snack so gut? Nun, Schokolade soll das Endocannabinoid Anandamid enthalten.

Ähnlich wie THC bindet Anandamid an den CB1-Rezeptor, wo es sich positiv auf die Stimmung auswirkt. Ebenso steigt der interne Anandamid-Spiegel während sportlicher Betätigung an. Solltest Du schon einmal die Euphorie des "Runner’s High" erlebt haben, weißt Du, wie gut man sich durch Anandamid fühlen kann![12]

Manche Forscher sind jedoch nicht von der Idee überzeugt, dass Anandamid in Schokolade selbst vorkommt, sondern schlagen stattdessen vor, dass Verbindungen in den Lebensmitteln Enzyme hemmen, die den natürlichen Anandamid-Spiegel steuern.

Schwarze Trüffel (Tuber melanosporum)

Cannabinoid(e): Anandamid

Schwarze Trüffel sind eigenständige Zauberpilze, enthalten jedoch kein Psilocybin. Stattdessen produzieren diese bodenbewohnenden Sklerotien das "Glücksmolekül" Anandamid. Forscher haben entdeckt, dass diese geschätzten kulinarischen Pilze über die genetische Ausrüstung verfügen, die zur Herstellung von Endocannabinoiden – Enzymen und Ähnlichem – erforderlich ist.

Ihnen fehlen jedoch die traditionellen Endocannabinoid-Rezeptoren, die in einer Vielzahl von Tierarten zu finden sind.[13] Anstatt diese Moleküle zu verwenden, um herkömmliche ECS-Rezeptoren zum Leuchten zu bringen, sind Trüffel auf Endocannabinoide angewiesen, um das Melanin zu bilden, das ihr schwarzes Äußeres bildet.

Das Vorkommen von Anandamid in schwarzen Trüffeln wirft die Frage auf: Warum sind die Menschen bereit, für dieses köstliche Lebensmittel so viel zu bezahlen? Bei einem horrendem Preis von 1.500 EUR/kg macht es Sinn, dass wir von diesen fleischigen Myzelklumpen viel mehr als nur Geschmack bekommen.

Großer Chinesischer Rhododendron (Rhododendron sinogrande)

Cannabinoid(e): Anthopogocyclolsäure, Anthopogochromensäure, Meroterpene usw.

Dieser immergrüne Strauch wächst ungerührt in Höhen von 3 000m über dem Südwesten Chinas und dem Nordosten von Myanmar, wo er eine Höhe von 10m erreicht und große Büschel cremegelber Blüten entwickelt. Obwohl diese Art weitgehend als Zierpflanze in Gärten beliebt ist, produziert sie eine Reihe von Verbindungen, die von Forschern bewundert werden.

Bereits 2011 entdeckten Wissenschaftler in Japan zwei Cannabinoid-ähnliche Substanzen in der Pflanze, die man "Anthopogocyclolsäure" und "Anthopogochromensäure" nennt. Darüber hinaus fanden sie fünf Cannabinoid-Analoga, darunter einen CBC-Typ, einen CBL-Typ und einen CBT-Typ.[14] Damit endet die phytochemische Komplexität aber noch nicht. Eine weitere Untersuchung dieser Spezies im Jahr 2020 enthüllte weitere 20 Meroterpene, die Forscher derzeit auf entzündungshemmende Eigenschaften testen.[15]

Zukünftige Studien werden hoffentlich herausfinden, wie sich diese Komponenten auf das ECS auswirken und ob Synergien zwischen ihnen bestehen.

Kava (Piper methysticum)

Cannabinoid(e): Kavalactone (Yangonin)

Menschliche Kulturen sind vielfältig. Aber zwischen ihnen verläuft ein roter Faden: der Einsatz von Plänen zur Bewusstseinsveränderung. Indigene Bewohner von Inseln, die über den Pazifischen Ozean verstreut sind – darunter Tonga, Fidschi und Vanuatu – verwenden zu diesem Zweck Kava.

Auch heute noch gehen Leute in Kava Bars und kippen sich Zubereitungen aus der Pflanze hinter die Binde. Die Wurzeln enthalten eine Gruppe von Wirkstoffen, die als "Kavalactone" bekannt sind und euphorische und schläfrige Empfindungen vermitteln, die die sozialen Zahnräder schmieren. Studien untersuchen derzeit die Auswirkungen dieser Verbindungen auf psychische Krankheiten wie Angstzustände.[16] Diese Wirkungen sind denen von Cannabis nicht unähnlich, und das Kavalacton-Yangonin bindet an den CB1-Rezeptor; also an dieselbe Stelle, die von THC aktiviert wird, um das High auszulösen.[17]

Karotten

Cannabinoid(e): Falcarinol

Die bescheidene Karotte. Du hast dieses Wurzelgemüse in Deinem Leben schon tausendfach gegessen – gedünstet, gekocht, gebraten und roh. Obwohl Du Dir wahrscheinlich der Nutzen ihres Carotingehalts bewusst bist, hast Du wahrscheinlich noch nicht bemerkt, dass Du mit jedem Bissen Cannabinoide zu Dir nimmst.

Richtig gelesen! Karotten enthalten ein Cannabinoid namens "Falcarinol", das an den CB1-Rezeptor bindet.[17] Im Gegensatz zu Agonisten wie THC wirkt Falcarinol an dieser Stelle als Antagonist, das heißt, es blockiert vorübergehend die Bindung anderer Liganden an den Rezeptor. Forscher untersuchen derzeit die Rolle von CB1-Antagonisten bei Erkrankungen wie Fettleibigkeit. Während das Cannabinoid auf Karottenbasis in diesem Bereich vielversprechend ist, sind jedoch seine pro-allergischen Eigenschaften ein großer Hemmschuh.

Kohl (Brassica)

Cannabinoid(e): DIM

Die Gattung Brassica umfasst Brokkoli, Blumenkohl, Rüben, Kohlrabi, Weißkohl und viele andere Pflanzen. Interessanterweise stammen diese köstlichen Gemüsesorten alle von derselben Pflanze ab; diese Vielfalt verdanken wir der selektiven Züchtung.

Wenn Du eine Portion Kohlgemüse auf dem Teller hast, profitierst Du von Vitaminen, Mineralien und starken Antioxidantien. Aber diese Gemüsefamilie enthält auch ein Cannabinoid, das in der gesamten Gattung weit verbreitet ist. Das diätetische Indol DIM wirkt als partieller Agonist des CB2-Rezeptors, und in laufenden Studien wird das Molekül auf sein antitumorales, antivirales, antibakterielles und immunmodulatorisches Potenzial getestet.[18]

Otanthus maritimus

Cannabinoid(e): Alkylamide

Dieses aromatische mehrjährige Kraut gehört zur Familie der Korbblütler und bevorzugt das warme bzw. trockene Klima des Mittelmeers, wo es im Sand wurzelt. Es spielt eine wichtige ökologische Rolle, weil es die Dünen im Laufe der Zeit stabilisiert.

Traditionelle Kulturen in der Region verwendeten Otanthus maritimus als ganzheitliches Kraut, um den Körper zu beruhigen und das Immunsystem zu stärken. Fasziniert von seiner historischen Verwendung, hat die moderne Forschung bei phytochemischen Untersuchungen Terpene, Flavonoide und Cannabinoide entdeckt. Extrakte aus der Pflanze enthalten mehrere interessante Verbindungen, insbesondere Alkylamide, die sowohl an CB1- als auch an CB2-Rezeptoren binden.[19] Weitere Studien sind erforderlich, um die Relevanz dieser Ergebnisse für den Menschen zu verstehen.

Maca (Lepidium meyenii)

Cannabinoid(e): Macamide

Wenn Du jemals ein Reformhaus betreten hast, bist Du wahrscheinlich auch schon auf das Wort "Maca" gestoßen. Auch als "peruanischer Ginseng" bekannt, hat diese Andenknolle in den letzten Jahren als Superfood an Popularität gewonnen. Da sie mit Vitaminen, Mineralstoffen und Polyphenolen vollgepackt ist, verdient es diesen Titel auf jeden Fall.

Die Aufnahme von Maca in die Ernährung versorgt den Körper nicht nur mit einer Fülle von wichtigen Nährstoffen – das Lebensmittel enthält auch Alkylamide, die das ECS modulieren. Maca produziert allerdings keine Verbindungen, die direkt an ECS-Rezeptoren binden. Stattdessen sind diese langkettigen Fettsäuren, die sogenannten Macamide, in der Lage, Anandamid-abbauende Enzyme zu hemmen, so dass der Körper selbst für ein High sorgen kann.[20]

Spindelbaumgewächse (Celastraceae)

Cannabinoid(e): Pristimerin

Die Familie der Spindelbaumgewächse oder Celastraceae umfasst über 1300 Arten von Kräutern, Weinreben und Bäumen, die hauptsächlich in tropischen Klimazonen vorkommen. Viele Mitglieder dieser Familie produzieren einen sekundären Metaboliten, der mit dem ECS interagiert.

Das Terpen Pristimerin stört die Aktivität eines Enzyms namens "Monoacylglycerol-Lipase", das abgekürzt auch als "MAGL" bekannt ist.[21] Dieses Protein baut das Endocannabinoid 2-AG ab, einen Liganden, der unzählige physiologische Funktionen wie Appetit, Immunfunktion und Schmerzen regulieren soll. Ähnlich wie FAAH-Hemmer bei Endocannabinoid-Mangel Potenzial zeigen, bietet Pristimerin ein potenzielles Mittel zur Steigerung des biologischen Gegenstücks von Anandamid – 2-AG.

Kurkuma (Curcuma longa)

Cannabinoid(e): Curcumin

Dieses farbenfrohe Gewürz und Mitglied der Ingwerfamilie wird in mehreren Kulturen verehrt. Es nimmt sowohl im Ayurveda als auch in der traditionellen chinesischen ganzheitlichen Praxis einen besonderen Platz ein, und neuere Forschungsarbeiten haben das entzündungshemmende Potenzial dieses lebendigen Rhizoms untersucht. Einige Studien untersuchen sogar die Verwendung von Cannabis und Kurkuma als zweigleisige Behandlung von Verdauungskrankheiten.[22]

Viele der Nutzen von Kurkuma beruhen auf seinem Bestandteil Curcumin, einem Polyphenol, das mit dem Endocannabinoid-System interagiert. Dieses Molekül bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren und erhöht den Endocannabinoid-Spiegel im Gehirn. Studien zeigen ebenfalls, dass Curcumin die Expression von CB2 hochreguliert, während es CB1 herunterreguliert; ein Mechanismus, der auf seine Nützlichkeit bei Leberfibrose untersucht wird.[23]

Hopfen (Humulus lupulus)

Cannabinoid(e): β-Caryophyllen, Myrcen, Humulen und weitere Teperne

Hopfen und Cannabis weisen einige auffallende Ähnlichkeiten auf: Beide gehören zur 170 Arten starken Familie der Cannabaceae. Darüber hinaus besitzen sie auch Drüsen-Trichome, die hohe Mengen an aromatischen Terpenen produzieren. Hersteller guter Biere nutzen die Schärfe des Hopfens, um ihre Kreationen mit diesen flüchtigen Molekülen anzureichern. Obwohl Hopfen keine traditionellen Cannabinoide enthält, produziert er den CB2-Agonisten β-Caryophyllen, gemeinsam mit anderen Terpenen, die in Cannabis vorkommen, wie Myrcen und Humulen.

Teepflanze (Camellia sinensis)

Cannabinoid(e): Catechine

Jeder liebt eine seelenerwärmende Tasse Tee. Wir kochen oft eine Tasse, wenn wir Lust auf eine kleine Dosis Koffein und die Süße von einen oder zwei Teelöffeln Zucker haben. Ein Schluck Tee versorgt den Körper allerdings auch mit Antioxidantien und Verbindungen, die die Knochen stärken und die Herzgesundheit fördern.

Catechine sind einer der Superstar-Bestandteile der Teepflanze. Diese Moleküle rühmen sich nicht nur eines immunstärkenden und neuroprotektiven Potenzials, sondern binden auch an ECS-Rezeptoren, insbesondere an jene, die sich im zentralen Nervensystem befinden.[24]

Weinraute (Ruta graveolens)

Cannabinoid(e): Rutamarin

Ruta graveolens, auch bekannt unter dem gebräuchlichen Namen "Weinraute", ist eine Zierpflanzenart, die auf der Balkanhalbinsel heimisch ist. Die Pflanze hat eine Geschichte der kulinarischen Verwendung, und mittelalterliche Ärzte setzten das Kraut ein, um das Sehvermögen zu schärfen und Blähungen abzumildern.

Bei der Jagd nach Phytocannabinoiden entdeckten Forscher das Vorkommen von Rutamarin in der Art. Experimente zeigen, dass dieses Derivat des chemischen Cumarins an den CB2-Rezeptor bindet, was auf eine mögliche Rolle in der Zukunft von Cannabinoid-Therapeutika hindeutet.[25]

Magnolia officinalis

Cannabinoid(e): Magnolol, Honokiol, Trans-Isomagnolol

Dieser große Laubbaum – leider gegenwärtig in seinem Bestand gefährdet – stammt aus den Bergen und Tälern Chinas. Traditionelle chinesische Heilkundige verwenden die Rinde dieser Spezies, um Schleim zu lösen und den Schlaf zu fördern. Bei der Analyse von Extrakten aus dem Baum haben moderne Forscher herausgefunden, dass er mehrere Cannabinoide enthält.[26]

Das Molekül Magnolol verhält sich wie ein partieller CB2-Agonist, das heißt, es aktiviert diese Stelle nur geringfügig. Im Gegensatz dazu aktiviert der Bestandteil Honokiol den CB1-Rezeptor vollständig. Eine weitere im Baum vorhandene Chemikalie, bekannt als "Trans-Isomagnolol", aktiviert eine Stelle namens GPR55, bei der es sich um einen Kandidaten für die Bezeichnung "CB3-Rezeptor" handelt

Protium heptaphyllum B.

Cannabinoid(e): β-Amyrin

Dieser Baum gehört zur Familie der Burseraceae und produziert ein aromatisches Harz, das voller pharmakologisch aktiver Verbindungen ist. Traditionell verwendet, um den Körper zu beruhigen, haben moderne Analysen in dieser klebrigen Substanz das Triterpen β-Amyrin nachgewiesen. Diese Chemikalie kommt in einer Reihe von Pflanzen sowie Pilzen vor und interagiert mit dem ECS. Der Metabolit wirkt als Antagonist des CB1-Rezeptors und hemmt gleichzeitig MAGL, was darauf hindeutet, dass er dazu beiträgt, den 2-AG-Spiegel vorübergehend zu erhöhen.[19]

Chilis

Cannabinoid(e): Capsaicin

Du magst Dein Essen scharf? Jedes Mal, wenn Du eine mit Chili aufgepeppte Mahlzeit zu Dir nehmen, kannst Du der Verbindung Capsaicin für die Schärfe danken, die Du erlebst. Um diesen Effekt zu erzeugen, bindet diese Chemikalie an einen Rezeptor, der einprägsam als "transienter Rezeptor-Potential-Kationenkanal der Unterfamilie V, Subtyp 1" (TRPV1) bezeichnet wird.

Aber dieser Rezeptor kann mehr, als nur für Schärfe zu sorgen: Er ist ebenso an der Schmerzsignalisierung und der Immunzellfunktion beteiligt. Cannabinoide wie CBD und das Endocannabinoid Anandamid binden ebenfalls an diese Stelle, was einige Forscher dazu veranlasst, TRPV1 als den dritten Cannabinoid-Rezeptor zu bezeichnen; eine Bezeichnung, die Capsaicin dazu bringen würde, die Definition eines Cannabinoids zu erfüllen.[27]

Cordyceps annulata

Cannabinoid(e): Anulatine

Wie bereits die schwarzen Trüffel gezeigt haben, sind Cannabinoide nicht auf das Pflanzenreich beschränkt. Pilze bilden ein eigenes Königreich; genetisch gesehen stehen sie allerdings Tieren näher als Pflanzen. Die Gattung Cordyceps ist nicht nur in der Pilzwelt ungewöhnlich; es handelt sich um eine Ausprägung von Mutter Natur in ihrer verrücktesten Form.

Die Sporen dieser Gattung infizieren eine Vielzahl von Insekten, übernehmen ihre Körper mit einem Myzel-Netzwerk und senden Fruchtkörper aus, um weitere Sporen zu verbreiten. Cordyceps-Pilze haben eine lange Anwendungsgeschichte und werden in ganzheitlichen chinesischen Praktiken geschätzt. Ein Mitglied der Gattung – Cordyceps annulata – produziert Dihydrobenzofurane, die als "Anulatine" bekannt sind und an die CB1- und CB2-Rezeptoren binden.[28]

Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor)

Cannabinoid(e): PSP

Dieser häufig vorkommende Pilz zersetzt das verrottende Holz von über 70 Baumarten und wächst in einer regalartigen Formation; seine charakteristischen konzentrischen Kreise und die glatte, weißporige Oberfläche machen es auch Laien leicht, ihn zu erkennen. Obwohl auf den ersten Blick unscheinbar, enthalten diese Pilz-Kraftpakete Polysaccharide (komplexe Kohlenhydrate), die derzeit in Japan als adjuvante Krebstherapie verwendet werden. Ein solches Polysaccharid trägt den Namen "Polysaccharopeptide" (PSP) und bindet an CB2-Rezeptoren. Forscher untersuchen, ob dieser Mechanismus helfen könnte, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.[29]

Schiefer Schillerporling (Inonotus obliquus)

Cannabinoid(e): Betulinsäure

Der Schiefe Schillerporling ist eine geheimnisvolle Lebensform. Sammler freuen sich, wenn sie dieser seltenen Art begegnen, und viele treten in die Fußstapfen der sibirischen Chanten, indem sie den Pilz zu einem Tee brauen.

Als "König der Heilpilze" bekannt, ist die Pflanze rein technisch gesehen gar kein Pilz. Vielmehr bildet sie an der Seite von Waldbäumen eine dichte, schwarze Masse, die man als "Sklerotium" bezeichnet. Der Schiefe Schillerporling enthält eine Reihe faszinierender Verbindungen, darunter Betulinsäure, ein Triterpen, das mit CB1- und CB2-Rezeptoren interagiert.[30] Derzeit untersuchen Forscher das entzündungshemmende, antioxidative und immunmodulatorische Potenzial dieser Chemikalie.

Cannabinoide sind überall

Cannabinoide sind keineswegs ausschließlich der Cannabispflanze vorbehalten. Obwohl die wissenschaftliche Untersuchung des Krauts zur Entdeckung dieser Verbindungen führte, haben diese Erkenntnisse einfach den Weg für eine viel breitere und tiefere Diskussion geebnet.

Cannabinoide untermauern die spezifische Wirkung vieler Pflanzen- und Pilzarten, und Forscher haben bisher nur an der Oberfläche dieses biologischen Schatzes gekratzt. In den kommenden Jahren werden wir wahrscheinlich viele weitere Organismen entdecken, die sich dem Pantheon der Cannabinoid-haltigen Lebensformen anschließen.

External Resources:
  1. Cannabinoids: Definitional ambiguities and a proposal https://doi.org
  2. A closer look at cannabimimetic terpenes, polyphenols, and flavonoids: a promising road forward https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Cannabis sativa terpenes are cannabimimetic and selectively enhance cannabinoid activity https://www.nature.com
  4. Beyond Cannabis: Plants and the Endocannabinoid System https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Exploration of natural alkylamides and synthetic analogs as source for new ligands for the cannabinoid type-2 receptor https://www.researchgate.net
  6. The Cannabinoid CB2 Receptor as a Target for Inflammation-Dependent Neurodegeneration https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Amorfrutin-type phytocannabinoids from Helichrysum umbraculigerum https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Identification of Putative Precursor Genes for the Biosynthesis of Cannabinoid-Like Compound in Radula marginata https://www.frontiersin.org
  9. Uncovering the psychoactivity of a cannabinoid from liverworts associated with a legal high https://www.science.org
  10. Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid https://www.pnas.org
  11. An Endocannabinoid Uptake Inhibitor from Black Pepper Exerts Pronounced Anti-Inflammatory Effects in Mice https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  12. A runner’s high depends on cannabinoid receptors in mice https://www.pnas.org
  13. Truffles contain endocannabinoid metabolic enzymes and anandamide https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  14. New cannabinoid-like chromane and chromene derivatives from Rhododendron anthopogonoides https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  15. Meroterpenoids with diverse structures and anti-inflammatory activities from Rhododendron anthopogonoides https://www.sciencedirect.com
  16. Kava extract versus placebo for treating anxiety https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Kavalactones and the endocannabinoid system: the plant-derived yangonin is a novel CB₁ receptor ligand https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  18. Lipid G protein-coupled receptor ligand identification using beta-arrestin PathHunter assay https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  19. An overview on plants cannabinoids endorsed with cardiovascular effects https://www.sciencedirect.com
  20. Macamides and their synthetic analogs: Evaluation of in vitro FAAH inhibition https://www.researchgate.net
  21. Discovery of Potent and Reversible Monoacylglycerol Lipase Inhibitors https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  22. Cannabis and Turmeric as Complementary Treatments for IBD and Other Digestive Diseases https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  23. Small Molecules from Nature Targeting G-Protein Coupled Cannabinoid Receptors: Potential Leads for Drug Discovery and Development https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  24. Tea catechins' affinity for human cannabinoid receptors https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  25. Phytocannabinoids beyond the Cannabis plant – do they exist? https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. Magnolia Extract, Magnolol, and Metabolites: Activation of Cannabinoid CB2 Receptors and Blockade of the Related GPR55 https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Endocannabinoid System Components: Overview and Tissue Distribution https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  28. Dihydrobenzofurans as cannabinoid receptor ligands from Cordyceps annullata, an entomopathogenic fungus cultivated in the presence of an HDAC inhibitor https://www.researchgate.net
  29. Polysaccharopeptide from Trametes versicolor blocks inflammatory osteoarthritis pain-morphine tolerance effects via activating cannabinoid type 2 receptor https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  30. Betulinic Acid Targets YY1 and ErbB2 through Cannabinoid Receptor-Dependent Disruption of MicroRNA-27a:ZBTB10 in Breast Cancer https://www.ncbi.nlm.nih.gov
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