Cannabinoide wurden bisher hinsichtlich einer Vielzahl von neurologischen Erkrankungen untersucht – mit vielversprechenden Ergebnissen. Es gibt starke Hinweise darauf, dass THC und CBD in der Lage sind, Muskelspastiken und neuropathische Schmerzen bei Multipler Sklerose zu behandeln, obwohl eine klare Rolle der Cannabinoide oder die Behandlungsstrategie für diese Erkrankung von der medizinischen Gemeinschaft noch nicht definiert wurden. Weltweit erhält die Mehrheit der Patienten, die sich entscheiden, ihre Therapie mit Cannabis-Derivaten zu ergänzen, keine angemessene Unterstützung von Gesundheitssystemen und Ärzten, die über Kompetenzen in Cannabis-Behandlungen verfügen. In einigen Fällen können Patienten allerdings an spezifischen klinischen Programmen teilnehmen, die auch zum globalen Wissen über die Wirksamkeit von Cannabis gegen Muskelkrämpfe, Schmerzen und andere typische Symptome neurodegenerativer Erkrankungen beitragen.

WAS IST MULTIPLE SKLEROSE?

Multiple Sklerose ist eine neurologische Erkrankung, die das Fettprotein, das die Nervenzellen schützt, zerstört. Die exponierten Nerven verlieren ihre volle Funktionalität und die daraus resultierenden Symptome umfassen Schmerzen, Muskelspastiken, Müdigkeit, Entzündungen sowie Depressionen, was insgesamt zu einer verminderten körperlichen Aktivität und einer geringen Lebensqualität führt. Von diesem Demyelinisierungsprozess im Zentralnervensystem sind weltweit 2,3 Millionen Menschen betroffen.

Zu den Standardbehandlungen, die den Patienten bei der Rückkehr in ein normales Leben unterstützen, gehören entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, Muskelrelaxanzien und Beruhigungsmittel. Obwohl wir in letzter Zeit bedeutende Fortschritte bei den Therapien beobachten konnten, kann definitiv keine der gegenwärtigen Behandlungen MS-bezogene Symptome heilen. Angesichts bereits umfangreicher Erfahrungsberichte über die angebliche Wirksamkeit von Cannabisblüten, Haschisch und Ölen gegen MS-Symptome begannen viele Patienten, sich dem Kraut zuzuwenden.

Es gibt viele persönliche Berichte von Patienten, die medizinisches Cannabis verwenden, um durch MS verursachte Schmerzen, Angstzustände, Muskelzittern und Krämpfe zu lindern. Darüber hinaus beginnt die wissenschaftliche Bestätigung dieser Wirkungen nun auf einer soliden Basis von Hunderten von Patienten zu beruhen, die sich in klinischen Studien befinden. Werfen wir einen kurzen Blick auf einige neue Forschungsergebnisse zur Therapie mit Cannabis bei Multipler Sklerose.

DIE JÜNGSTEN STUDIEN

Mehrere neuere Studien belegen die Wirksamkeit von oral verabreichten Cannabisextrakten zur Behandlung der Symptome von MS. In einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 572 MS-Patienten verabreichte man den oralen Cannabisextrakt Sativex als ergänzende Therapie für Patienten mit refraktärer Spastik. Ziel war es, den Unterschied zwischen verschiedenen Behandlungen anhand der numerischen Bewertungsskala für die durchschnittliche Spastizität, des Krampfhäufigkeits-Scores, des Ausmaßes der Schlafstörung und des allgemeinen Eindrucks der Patienten und Ärzte zu bewerten. Alle diese Parameter sprachen für den Cannabisextrakt.

Eine ähnliche, wenngleich kleinere Studie an Patienten mit MS, die über 12 Wochen durchgeführt wurde, belegt die Wirksamkeit von Sativex im Vergleich zu einem Placebo. Die Forscher fanden heraus, dass die Patienten aus der Cannabis-Gruppe eine viel stärkere Linderung der Muskelsteifheit erfahren.

Eine Zusammenschau von Studien, die zwischen 1948 bis 2013 durchgeführt wurden und sich mit der Behandlung von Symptomen von MS, Epilepsie und Bewegungsstörungen mit Cannabis befassten, ergab starke Beweise für die Wirksamkeit von Cannabis-Derivaten bei Muskelproblemen, der Verringerung der Spastiken und des zentralen Schmerzes bzw. bei schmerzhaften Krämpfen. Dies ergab sich aus patientenzentrierten und objektiven Maßnahmen, die ein Jahr andauerten. Man stellte allerdings fest, dass die Cannabisverbindungen möglicherweise bei der Kontrolle von Harnfunktionsstörungen und Zittern unwirksam sind, und dass rund 1% der Patienten von unerwünschten psychopathologischen Nebenwirkungen betroffen war.

Einige Jahre später kamen zwei hochqualitative systematische Arbeiten in Bezug auf die Multiple Sklerose zu dem Schluss, dass der einzige starke Beweis für die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis bei neurologischen Erkrankungen die Verringerung der Symptome von Spastiken und zentralen Schmerzen betraf und dass der Einsatz von Cannabis die einzige komplementärmedizinische Methode darstellt, die bei MS offensichtlich wirksam ist. Schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen waren selten und THC wurde im Allgemeinen gut vertragen. Nach dieser Studie kam auch eine Umfrage der University of Colorado unter MS-Patienten, die Cannabis-Derivate zur Behandlung ihrer Erkrankung verwendeten, zu ähnlichen Ergebnissen. Die Patienten setzten CBD und/oder THC ein, um Schmerzen, Schlafstörungen und Muskelsteifheit zu behandeln, wobei die meisten Anwender nicht von Nebenwirkungen berichteten, während einige Schwindel oder eine Abnahme der Wachsamkeit und andere geringfügige Nebenwirkungen verspürten. Auch weitere neuere Studien und Metaanalysen mit einer großen Anzahl von Patienten haben die Auswirkungen von oralen oder oromukosalen Cannabinoiden untersucht und dabei signifikante Ergebnisse hinsichtlich Spastiken, Schmerzen und Blasenfunktionsstörungen gesammelt. Schließlich gibt es noch eine Studie, in der die Wirkung von CBD auf die Mobilität von Menschen mit Multipler Sklerose untersucht wird. Diese Studie zeigt, dass Cannabis-Derivate mit einem CBD:THC-Verhältnis von 1:1 oder höher Muskelspastiken und Schmerzen bei Multiple-Sklerose-Patienten reduzieren können.

USING CANNABIS AGAINST MULTIPLE SCLEROSIS

DER EINSATZ VON CANNABIS GEGEN MS

In vielen Ländern dürfen Ärzte Cannabis verschreiben, um Patienten mit Multipler Sklerose Linderung zu verschaffen, und dies wird sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren zu einer gängigen Option entwickeln, um Schmerzen, Muskelkrämpfe und Zittern zu lindern. Manche der Nebenwirkungen von THC können bestimmte Multiple-Sklerose-Patienten stärker betreffen als andere. Daher ist mehr Forschung erforderlich, um zu verstehen, welche spezifischen medizinischen Cannabissorten und welche Konsumformen am besten und mit weniger nachteiligen Auswirkungen funktionieren.

Auch wenn immer mehr Patienten heute kein Problem mehr damit haben, über ihren medizinischen Cannabiskonsum bzw. ihren Wunsch, medizinisches Cannabis einzusetzen, mit ihrem Arzt zu sprechen, ist der Großteil des Gesundheitspersonals noch nicht darin geschult, auf Cannabis basierende Behandlungen für MS zu verschreiben oder zu überwachen. Auch hier bietet die wissenschaftliche Literatur bislang nicht viele konkrete Hinweise auf Sorten und Dosierungen, auf die man sich verlassen kann. Wieder einmal verlangsamt die Cannabis-Prohibition die klinische Erforschung, und die meisten MS-Patienten bleiben beim Experimentieren mit Sorten, Geräten oder Dosen auf sich allein gestellt. Ganz zu schweigen davon, medizinisches Cannabis von guter Qualität zu vernünftigen Preisen für den täglichen Gebrauch zu erhalten. Dies sollte die Patienten allerdings nicht daran hindern, eigene Forschungen, Experimente und schließlich auch den eigenen Anbau durchzuführen.

 

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