Cannabisnutzer auf der ganzen Welt riskieren Strafverfolgung, wenn sie Cannabis anbauen, doch sellbst in Ländern, in denen der Anbau weiterhin illegal ist, schlagen viele Pharmaunternehmen eine Menge Kapital aus Medikamenten auf Cannabisbasis. Diese Tatsache verärgert zu Recht viele Menschen. Dennoch können verschreibungspflichtige Medikamente wie Marinol den Unterschied im Leben einiger Patienten ausmachen. Doch sind synthetische Cannabinoide der Verwendung der gesamten Cannabispflanze überlegen?

Im Folgenden erfährst Du alles Wissenswerte über Marinol, einschließlich, wie es im Vergleich zu THC und medizinischem Cannabis insgesamt abschneidet.


Was ist Marinol?

Marinol ist der Markenname von Dronabinol, einer synthetischen Version von THC. Mehrere Länder, darunter die Vereinigten Staaten, Deutschland, Südafrika und Australien haben die Verschreibung von Dronabinol unter verschiedenen Markennamen legalisiert. Im Falle von Marinol handelt es sich um Kapseln mit 2,5, 5 oder 10mg THC, das in Sesamöl gelöst wurde.

Anwendung von Marinol: Wofür wird Marinol verschrieben?

Die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA hat Marinol für die Behandlung von zwei Krankheiten zugelassen.

  • Wasting-Syndrom im Zusammenhang mit HIV/AIDS

Wenn sie ungewollt mindestens 10 % ihres Körpergewichts verlieren, wird bei HIV/AIDS-Patienten Wasting-Syndrom diagnostiziert. Der schnelle Gewichtsverlust wird oft von Symptomen wie Durchfall, Schwäche und Fieber begleitet. Dieser Zustand kann aus verschiedenen Gründen auftreten, einschließlich::

Bei Patienten, die eine antiretrovirale Therapie (ART) meiden Durch plötzlichen Appetitverlust
Durch Stoffwechselveränderungen aufgrund erhöhter Aktivität des Immunsystems oder hormoneller Veränderungen Aufgrund der verminderten Fähigkeit für die Aufnahme von Nährstoffen, da HIV die Darmschleimhaut beschädigt
Wenn der Körper weniger Proteine produziert, die für den Muskelaufbau benötigt werden



Cannabisnutzer wissen, wie effektiv sich THC auf den Appetit auswirken kann. Marinol erzielt eine ähnliche Wirkung. Indem es den Appetit von HIV- und AIDS-Patienten steigert, hilft das synthetische Cannabinoid ihnen, mehr Kalorien aufzunehmen, Muskelmasse zu erhalten und aufzubauen und einen weiteren schnellen Gewichtsverlust zu verhindern.

Eine in einer Analyse der FDA[1] zitierte Studie zeigt, dass Marinol-Pillen den Appetit von Patienten mit AIDS-bedingtem Wasting-Syndrom erheblich steigern und aufrechterhalten können. Die Probanden erhielten zunächst eine Tagesdosis von 5mg, die in zwei Dosen von je 2,5mg aufgeteilt wurde – eine vor dem Mittagessen und eine vor dem Abendessen.

Aktuelle Dosierungsvorgaben folgen dem erfolgreichen Muster, das in dieser Studie zur Anwendung kam. Patienten wird empfohlen, die individuell verschriebene Dosis eine Stunde vor dem Mittagessen einzunehmen, um den Appetit zu steigern, und eine weitere Dosis eine Stunde vor der letzten Mahlzeit des Tages einzunehmen.

Marinol
  • Chemotherapie-bedingte Übelkeit und Erbrechen

Eine Chemotherapie ist eine schwere Belastung für den Körper. Obwohl sie bei einigen Patienten erfolgreich zur Behandlung von Krebs eingesetzt wird, kann sie Abgeschlagenheit und Übelkeit hervorrufen. Tatsächlich kommt es bei bis zu 80 % der Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.

Die Kombination aus Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Durchfall kann dazu führen, dass Krebspatienten binnen kurzer Zeit sehr viel Gewicht verlieren. Ärzte in den Vereinigten Staaten können Marinol verschreiben, um gegen diese Symptome vorzugehen und den Appetit von Patienten zu steigern. Basierend auf der Körperfläche eines Patienten empfiehlt die FDA eine Anfangsdosis von 5mg/m². Patienten nehmen die erste Dosis 1–3 Stunden vor Beginn der Chemotherapie ein, dann weitere Dosen alle 2–4 Stunden nach der Behandlung, sodass sie insgesamt auf 4–6 Dosen pro Tag kommen.

Während die FDA bisher nur Marinol für diese beiden Erkrankungen zugelassen hat, wurde in klinischen Studien untersucht, welche Rolle das Medikament bei anderen Krankheiten spielen könnte:

Chronische Schmerzen Fibromyalgie
Multiple Sklerose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Schlafapnoe Demenz



Macht Marinol high?

Ja. Marinol hat eine sehr ähnliche molekulare Struktur wie THC und erzeugt im Körper daher eine ähnliche Wirkung. Vergleicht man die beiden Strukturformeln nebeneinander, sehen sie fast identisch aus. Marinol enthält schlichtweg mehr von gewissen Elementen und manche Elemente befinden sich an etwas abweichenden Positionen des Moleküls.

Beim Konsum von Cannabis durchdringt THC die Blut-Hirn-Schranke und bindet an die CB1-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems. Dies bewirkt eine veränderte Signalübertragung von Neurotransmittern, was wiederum ein High auslöst. Marinol hat denselben Wirkmechanismus, doch viele Anwender berichten von einer viel stärkeren Wirkung. Die Packungsbeilage warnt Patienten vor möglichen psychologischen Nebenwirkungen[2] wie:

Mentale/Stimmungsschwankungen Angst
Nervosität Halluzinationen
Abnormale Gedanken Paranoia



Diese starken Nebenwirkungen sind vermutlich darauf zurückzuführen, dass Patienten Marinol oral in Kapselform einnehmen. Essbare Cannabisprodukte sind dafür bekannt, den Nutzer zu überrumpeln und ihn gelinde gesagt zu unangenehmen Erfahrungen zu zwingen. Nach dem Verzehr eines Cannabis-Brownies passiert THC letztendlich die Leber, die es in das potentere und länger anhaltende 11-Hydroxy-THC umwandelt.

Obwohl nur 10–20 % des eingenommenen Marinols in den großen Blutkreislauf gelangen, wird auch dieses Cannabinoid in 11-Hydroxy-THC umgewandelt, was viele Patienten in einen unangenehmen psychologischen Zustand versetzen kann.

Marinol im Vergleich zu THC

Trotz ihrer chemischen Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Marinol und THC auch viele Unterschiede. Diese reichen von ihrem rechtlichen Status und ihren Kosten bis hin zu ihrem therapeutischen Nutzen.

Anwendung

Marinol-Nutzer sind darauf beschränkt, Kapseln einzunehmen. Das Cannabinoid wandert durch den Verdauungstrakt, wird in 11-Hydroxy-THC umgewandelt und erzeugt eine stärkere und länger anhaltende Wirkung.

Im Vergleich dazu steht Menschen, die natürliches THC konsumieren, eine viel größere Auswahl an Optionen offen. Obwohl manche Nutzer Produkte mit isoliertem THC wie Marinol bevorzugen, ziehen andere das Molekül in seinem natürlicheren Zustand vor – eingelagert in Trichomen. Zu der umfangreichen Auswahl an Produkten mit THC gehören zum Beispiel:

Cannabisblüten

Es gibt Tausende von Sorten und jede hat einen anderen THC-Gehalt, um den Ansprüchen von Nutzern gerecht zu werden.

Essbare Cannabisprodukte

Ausgabestellen und Coffeeshops verkaufen eine große Auswahl essbarer Cannabisprodukte wie zum Beispiel Fruchtgummis, Kuchen, Brownies, Kapseln und Tinkturen.

Vollspektrumextrakte und -konzentrate

Diese Produkte bieten einen höheren THC-Gehalt als Cannabisblüten, enthalten aber weiterhin auch andere Phytochemikalien wie Terpene und Flavonoide.

THCA-Kristalle

Diese isolierten Produkte, die sich beim Erhitzen in THC umwandeln, bieten THCA-Konzentrationen von bis zu 99,9 %.

Rechtlicher Status

Der rechtliche Status von Marinol und THC könnte Dir Kopfscherzen bereiten. Es macht alles sehr wenig Sinn. Erstmals zugelassen hat die FDA Marinol 1985 und dennoch wurde das Medikament als Droge des Anhangs I eingestuft – eine Substanz, die sich dadurch definiert, dass sie keine derzeit anerkannte medizinische Verwendung sowie ein hohes Missbrauchspotenzial hat.

Ein Jahr später beschloss die Drogenkontrollbehörde DEA, Marinol in Anhang II zu reklassifizieren. Drogen dieser Kategorie haben einen anerkannten medizinischen Nutzen, aber immer noch ein hohes Missbrauchspotenzial. Im Jahr 1999 reklassifizierte die Behörde Marinol schließlich als Droge des Anhangs III. Das bedeutet, dass die Substanz ein mittleres bis geringes Risiko einer körperlichen Abhängigkeit birgt.

Jetzt wird es ein wenig verwirrend. In 37 US-Bundesstaaten haben Patienten inzwischen legalen Zugang zu irgendeiner Form von Cannabis. Doch die Bundesregierung und die DEA betrachten Cannabis weiterhin als Droge des Anhangs I. In ihren Augen hat die Pflanze keinen anerkannten medizinischen Nutzen und birgt ein hohes Missbrauchspotenzial. Dennoch erlaubt die DEA in allen 50 Bundesstaaten den Zugang zu Marinol – einer Verbindung, die mit THC fast identisch ist.

Zugegeben, das Missbrauchspotenzial von Marinol könnte sich als geringer erweisen, weil der Nutzer die Wirkung als unangenehm empfindet. Das synthetische Cannabinoid kann aber auch schwere negative psychologische Nebenwirkungen und allergische Reaktionen hervorrufen, die bei natürlichem Cannabis viel seltener auftreten.

Therapeutische Anwendung

Als einzelnes Molekül mit einer einzigen Darreichungsform hat Marinol eine begrenzte pharmakologische Wirkung. Es scheint allerdings die Symptome einiger schwerer Erkrankungen verbessern zu können.

Und wie sieht es im Vergleich dazu mit THC aus? Nutzer verwenden das Cannabinoid selten isoliert. Stattdessen kommt es in einer botanischen Mischung daher, die zusätzlich Hunderte von weiteren sekundären Pflanzenstoffe enthält. In laufenden Studien wird das Potenzial von medizinischem Cannabis für eine Vielzahl von Erkrankungen untersucht. Darunter:

Epilepsie Grüner Star (Glaukom)
Übelkeit Schmerzen
Krebs Alzheimer-Krankheit



Zudem nutzt THC-reiches Cannabis eine Vielseitigkeit, auf die Marinol keinen Zugriff hat. Während Marinol das reduktionistische Paradigma von "ein Molekül ein Rezeptor" erfüllt, nutzt Cannabis die Vorteile der Vielfalt. Mit jedem Zug gelangen viele verschiedene Cannabinoide, Terpene und andere Moleküle in den Körper. Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Moleküle synergetisch wirken[3], um zusammen eine effektivere Wirkung zu erzielen, deren Mechanismus die Wissenschaft aber noch nicht vollständig verstanden hat.

Kosten

Marinol kostet erheblich mehr als Cannabis[4]. Eine Flasche mit 60 Kapseln mit jeweils 2,5mg kosten 734 USD. Diese Menge entspricht insgesamt 150mg Marinol. Obwohl das Medikament so teuer ist, werden seine Kosten in den Vereinigten Staaten von manchen Krankenkassen übernommen.

Im Vergleich dazu erhalten medizinische Cannabispatienten in Kalifornien für diese Summe etwa 60g Buds. Dies entspricht abhängig von der Sorte zwischen 5.000 und 8.000mg THC.

Ist Marinol gefährlich?

Die meisten Patienten vertragen Marinol gut und haben keine ernsthaften Nebenwirkungen. Ähnlich wie THC kann das synthetische Cannabinoid insbesondere bei Menschen mit einer Vorgeschichte an psychischen Erkrankungen unerwünschte psychische Nebenwirkungen[5] hervorrufen.

Marinol kann jedoch auch schlimmere Nebenwirkungen wie zum Beispiel Krampfanfälle bewirken. Bei manchen Patienten besteht zudem das Risiko einer schweren allergischen Reaktion[6], die sich in Form von starkem Schwindel, Hautausschlag, Juckreiz und Atembeschwerden äußern kann.

External Resources:
  1. MARINOL® https://www.accessdata.fda.gov
  2. Marinol, Syndros (dronabinol) dosing, indications, interactions, adverse effects, and more https://reference.medscape.com
  3. Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects https://ethanrusso.org
  4. Marinol Prices, Coupons & Patient Assistance Programs - Drugs.com https://www.drugs.com
  5. Marinol: Drug Uses, Dosage & Side Effects - Drugs.com https://www.drugs.com
  6. Marinol Oral: Uses, Side Effects, Interactions, Pictures, Warnings & Dosing - WebMD https://www.webmd.com
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