Cannabis als Arzneimittel ist in Italien seit dem Jahr 2007 legal, auch wenn es bis vor Kurzem sehr kompliziert, wenn nicht unmöglich war, ein Rezept von einem Arzt zu erhalten, eine Apotheke zu finden, die das Gras verkauft und die erforderlichen Prämissen zu erfüllen.

Bis vor wenigen Monaten waren die einzigen autorisierten Produkte mit THC die verschiedenen Cannabis-"Flos" der holländischen Firma Bedrocan. Nun versorgt die pharmazeutische Abteilung der Armee Krankenhäuser und Apotheken mit einer neu registrierten medizinischen Sorte. Darüber hinaus sind italienische galenische Apotheken dazu berechtigt, präzise Cannabisdosierungen für das Verdampfen, Kräutertees, Tinkturen, Harze, Öle, mikronisierte Kapseln, Augentropfen, Zäpfchen, Liquids für E-Zigaretten und transdermale Gele aus zunächst offiziell registriertem medizinischem Gras zu präparieren. So steht es auf dem Papier, aber die Realität sieht etwas anders aus.

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Cannabis als Arzneimittel ist verschreibungspflichtig. Italienische Ärzte sind berechtigt, das Gras zu verschreiben, "um jegliches Leiden zu behandeln, zu dem es genügend wissenschaftliche Literatur gibt". Wann "genügend" erreicht ist, ist schwer zu sagen und der notorische Mangel an Informationen über Dosierungen, THC:CBD Verhältnisse, sowie über Häufigkeit und Methoden der Anwendung, hindert die meisten Ärzte daran, Cannabis zu verschreiben. Aus der Perspektive eines Arztes ist eine Schmerzbehandlung sehr viel einfacher, die auf der umfassenden Literatur über traditionelle Schmerzmittel beruht.

Die Kosten für die Behandlung mit Cannabis werden für Multiple Sklerose, Krebs und chronische Schmerzen, Magersucht, HIV, Nebenwirkungen bei Chemotherapien, grünen Star und Tourette-Syndrom von den Krankenversicherungen getragen. Soweit so gut, aber dies ist nur der Fall, wenn der Patient nicht auf die traditionellen Medikamente anschlägt, die immer noch die primäre Behandlungsmethode darstellen. Dazu kommt noch, dass jedes einzelne der Gesundheitssysteme (SSR - Sistema Sanitario Regionale) in den 20 Regionen Italiens politisch unabhängig ist, deshalb kann jedes einzelne letztlich die Finanzierung der Behandlung von bestimmten Leiden verweigern. Letztlich gibt es in Italien nur sehr wenige Hausärzte oder Spezialisten, die sich verantwortlich fühlen, Cannabis als Arzneimittel zur Behandlung von Leiden zu verschreiben, die von dem SSR nicht unterstützt werden, auch wenn es den Anschein hat, als gäbe es "genügend" Literatur zu der entsprechenden Krankheit.

DIE MEDIZINISCHE ARMEE

Das Stabilimento Chimico Farmaceutico Militare ist eine Pharmafabrik, die zum Verteidigungsministerium gehört. Zu den Pflichten dieser Institution gehört auch, "seltene" Medikamente für seltene Krankheiten zu produzieren, also die Medikamente, die Pharmaunternehmen nicht herstellen wollen, weil sich damit kein Profit machen lässt. In Anbetracht des steigenden Trends der Verwendung von Cannabis als Arzneimittel wäre wahrscheinlich ein Bürgerkrieg ausgebrochen, wenn man die Lizenz zur Produktion von medizinischem Cannabis im Zuge einer offiziellen Ausschreibung an wenige private Unternehmer vergeben hätte und deshalb kam die Armee ins Spiel.

Begleitet von einer großen Medienberichterstattung produzierte und testete das Stabilimento Chimico Farmaceutico Militare seine erste medizinische Sorte mit dem an ein Raketengeschoss oder ein Privatradio erinnernden Namen FM2 und begann sie zu vertreiben. Diese Kreuzung wurde von einem anderen öffentlichen Forschungszentrum entwickelt, dem CREA-CIN, unter der Leitung von Dr. Gianpaolo Grassi. Das Cannabinoid-Profil ähnelt dem holländischen Bediol, mit 6% THC und 8% CBD.

Nachdem die ersten experimentellen Ernten wieder verbrannt wurden, begann die Armee mit ihrem FM2 italienische Krankenhäuser und Apotheken einzunehmen. Ihr Ziel ist es, in ein paar Jahren die gesamte nationale Nachfrage zu bedienen. Im Moment liegt die jährlich von der Armee produzierte Menge bei um die 100kg, das ist ungefähr die gleiche Menge an hochwertigem, zu Hause angebautem Cannabis als "Genussmittel", die jeden Tag alleine in Rom oder Mailand verbrannt wird.

Wie dem auch sei, 100kg schimmelfreies medizinisches Cannabis aus dem Zuchtraum ist immer noch ein guter Anfang, selbst in einem Land mit einem Klima, in dem das ganze Jahr über massive, hochwertige Produktion im Freien oder im Treibhaus möglich ist. Das FM2 ermöglicht Patienten scheinbar, ungefähr 30% der Kosten für ihre Medizin zu sparen, wenn sie nicht von dem regionalen SSR getragen werden. Das holländische medizinische Cannabis kostet 18-24 Euro, während man für das italienische weniger als 15 Euro bezahlt.

WIR KÖNNEN ES FÜR SIE MAHLEN

Apotheken müssen einen strikten Lagerdatensatz über ihr medizinisches Cannabis führen und Ärzte, die es verschreiben, müssen dem Gesundheitsministerium ein Formular mit klinischen Daten und den Beweggründen für ihre Wahl der Behandlungstherapie schicken. Das Verschreiben und Kaufen von vielen anderen psychotropen Medikamenten ist viel einfacher. Zudem ist es der Apotheke nicht erlaubt, die versiegelten 5g-Flos-Dosen von Bedrocan an einen einzelnen Patienten weiterzuverkaufen. Das Medikament muss präpariert werden, das heißt, der Gesundheitsspezialist muss das Gras für Dich mahlen und darf Dir jeweils immer nur ein paar Joints auf einmal geben!

Wenn die Informationen stimmen, dürfen italienische Ärzte nur 5 verschiedene medizinische Sorten mit unterschiedlichen THC:CBD Verhältnissen und Konzentrationen verschreiben: Bedrocan, Bediol, Bedica, Bedrobinol und Bedrolite. Außerdem die neue autarke Sorte FM2. Im Gegensatz zu den Bedrocan-Produkten scheint es so, dass das FM2 Raketengeschoss in gemahlener Form abgefeuert wird, vermutlich um den Pharmazeuten bei der gerade beschriebenen Präparation Zeit zu sparen. Das kommt daher, weil das Produkt durch das Mahlen in kleiner als 4mm große Stücke als "einheitlich" gilt. Keine kleinen Stengel und Blätter in italienischem Cannabis, bitte. Es ist zudem keine große Sache, wenn das Mahlen das Zerbrechen der Trichome verursacht und das Gras so mehr Licht und Luft ausgesetzt wird, was die Wirkstoffe schwächt.

Italien Pharma Gesundheitswesen Medizin Arzt Bedrocan FM2DIE ZUKUNFT UND DAS RECHT AUF EIGENERZEUGUNG

Gerade als das Anbauen für den Eigengebrauch in Italien wie auch anderswo boomte, mussten italienische Patienten Engpässe bei der Versorgung mit medizinischem Cannabis erfahren. In den nächsten Jahren wird der italienische Markt für medizinisches Cannabis zwischen Bedrocan und Stabilimento Chimico Farmaceutico Militare aufgeteilt werden, da es absolut unwahrscheinlich ist, dass private Akteure, seien es inländische oder internationale, neue Lizenzen erhalten werden. Obgleich die italienische Abhängigkeit von holländischem Gras reduziert wird, ist es unwahrscheinlich, dass die Armee mit der Nachfrage der drastisch steigenden Anzahl an Patienten bald Schritt halten kann.

Darüber hinaus schreibt ein neues Gesetz galenischen Apotheken, die Cannabis-Derivate präparieren, vor, das Cannabinoid-Profil jeder einzelnen an Patienten ausgehändigten Flasche mit Extrakt genau zu berechnen. Als Konsequenz werden nur sehr wenige Apotheken Cannabisextrakte produzieren, die an die Bedürfnisse der Patienten individuell angepasst sind. Während ein umfassender Gesetzesvorschlag zur Legalisierung im Salon des Parlaments darauf wartet, diskutiert zu werden, ist es Patienten immer noch nicht erlaubt, ihr eigenes medizinisches Cannabis individuell oder in Vereinen anzubauen.

 

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