Die meisten von uns Growern sind es gewohnt, unsere Cannabispflanzen abzuschneiden, nachdem wir sie abgeerntet haben, da sie ihren Lebenszyklus vollendet und uns mit frischen, schönen und potenten Blüten versorgt haben. Es existiert allerdings eine Methode, die von vielen angewandt und geschätzt wird, die mehrmaliges Ernten einer Pflanze ermöglicht. Das klingt ein bisschen komisch, was? Diese Technik nennt man Regeneration und meint im Wesentlichen, dass die Pflanze in die vegetative Phase zurückgeführt wird (daher Re-vegging). Dies kann in manchen Situationen wirklich sehr hilfreich sein, z.B. wenn Du an keine neuen Klone oder Samen kommst und für die nächste Ernte dieselbe Pflanze nochmal benutzen musst, oder eine Ausprägung hat so viel Potential und gute Eigenschaften aufgewiesen, dass Du sogar in der Blütezeit einen Klon haben möchtest.

Manche haben vielleicht auch schon durch Zufall Re-vegging erlebt, wenn während der Blüte Licht eingedrungen ist - und dann die Pflanzen zur Wachstumsphase zurückgekehrt sind. Wir zeigen Dir, wie Du dies mit Absicht in Gang setzt und mit welchen Vor- und Nachteilen Du rechnen musst.

WIE MAN CANNABISPFLANZEN ZURÜCK IN DIE VEGETATIONSPERIODE FÜHREN KANN

Vorab, das Re-vegging Deiner Lieblingspflanzen ist keine Anfängertechnik. Du solltest dies nicht bei den ersten Anbauversuchen probieren, denn es kann sehr schwierig werden. Du solltest immer bedenken, dass diese Methode für Deine Pflanzen sehr stressig, da unnatürlich ist.

Die Regeneration der ausgewählten Pflanze beginnt bei der Ernte der Blüten. Um sie zurück in das vegetative Stadium ihres Lebens zu versetzen, ernte lediglich die meisten der Buds. Bewahre die kleineren Blätter und Blüten im unteren Drittel der Pflanze und einige der größeren Fächerblätter im mittleren Bereich. Wenn es richtig gemacht wurde, sollte es danach wie das Skelett der Pflanze aussehen. Es ist schwer, die kleinen Popcorn-Knospen dran zu lassen, aber sie sind sehr wichtig, um das vegetative Wachstum zu stimulieren und fügen dem Trockengewicht Deiner Ernte nicht wirklich etwas hinzu. Danach spülst Du die Wurzeln durch, siehst sie Dir wenn möglich an und beschneidest die mangelhaften Wurzeln.

Nun kannst Du sie in einen neuen Topf mit frischer Erde setzen. Du kannst zusätzliche Bakterien oder Zusatzstoffe in die Erde mixen, wenn Du den Re-vegging-Prozess noch stärker stimulieren möchtest. Zu diesem Zeitpunkt solltest Du Deine Lady für 20-24 Stunden unter Licht setzen, so dass sie zurück in die vegetative Phase wechselt. Sobald sie sich vollständig erholt hat, kannst Du auf 18 Stunden Licht umstellen, die normale Belichtungszeit. Die Pflanze ist nun gestresst und befindet sich in einem Schockzustand. Sie wird in den ersten zwei Wochen eigenartige Mutationen entwickeln, wie etwa runde Blätter. Dies ist absolut normal für den Regenerationsvorgang und nach etwa zwei Wochen sollte ein normaleres Wachstum einsetzen. Dies bedeutet auch, dass Du beim Gießen und der Nährstoffzufuhr extrem vorsichtig sein musst, denn Du willst Dein Baby schließlich nicht überwässern oder überfüttern.

Nach ein paar Wochen ist Deine Pflanze bereit die Blütezeit erneut zu starten. Schneide die eigenartigen Blätter zurück und lasse Dein Experiment etwas ruhen: Dann gehe in den 12/12 Lichtzyklus über. So kannst Du etwas Zeit sparen, verglichen mit einem vollen Zyklus vom Samen bis zur Ernte.

WIE MAN CANNABISPFLANZEN ZURÜCK IN DIE VEGETATIONSPERIODE FÜHREN KANN

MÖGLICHE VORTEILE UND RISIKEN

Die Vorteile der Verjüngungskur Deiner Cannabispflanzen können zahlreich sein, wenn es richtig gemacht wird. Du brauchst keine neuen Samen oder Klone, es kann Dir vermutlich Zeit sparen, das Wachstum einer Pflanze, die in die vegetative Phase zurückgeführt wurde, kann manchmal buschiger ausfallen und diese Methode kann die spezifische Genetik erhalten, deren Merkmale Dir zusagen. Aber Du merkst bestimmt schon, wie oft „kann" hier vorkommt, richtig? Leider kann dabei eine Menge schief gehen und gewöhnlich werfen regenerierte Pflanzen bei jeder erfolgreichen Ernte weitaus weniger Ertrag ab, sie zeigen oft hermaphroditische Tendenzen, die Qualität und Potenz ist oftmals minimiert und der Stress, der mit diesem Verfahren einhergeht, kann die Pflanze zu einer langen Erholungszeit zwingen (was die Zeitersparnis wieder eliminiert). Darüber hinaus funktioniert die Regeneration nicht bei allen Sorten und Phänotypen von Cannabis.

Es liegt an Dir, ob Du diese Technik ausprobieren möchtest. Erfahrene Grower können viel von Re-vegging profitieren, aber Du hast nun selbst gesehen, dass vieles fürchterlich schief gehen kann. Vielleicht probierst Du es einfach einmal aus und verjüngst eine Deiner Pflanzen bei Deiner nächsten Anbaurunde und findest so selbst heraus, was die Risiken und Möglichkeiten dieser Anbaumethode sind.

VERSEHENTLICHES RE-VEGGING

Es klingt irgendwie kompliziert, eine Cannabispflanze nach der Ernte zurück in die vegetative Phase zu bringen, aber wusstest Du, dass wenn Du nicht vorsichtig bist, das Re-Vegging auch aus Versehen ausgelöst werden kann? Es ist bereits vielen passiert und die meisten wurden davon überrascht. Wir erklären Dir, wie es passieren kann, wie man es verhindern kann und was Du tun solltest, wenn es Deinen Pflanzen doch passiert.

WIE GESCHIEHT VERSEHENTLICHES RE-VEGGING?

Wenn Du Dein Cannabis drinnen anbaust, können selbst kleine Lichtlecks die Blüte stören und Deine Pflanzen in einen vegetativen Zustand versetzen. Es folgen die häufigsten Arten von Lichtlecks:

  • Fehlerhafte Timer,
  • Licht kann um und durch Fenster, Reißverschlüsse, Schnittstellen oder Nadellöcher eindringen,
  • Besorgte Grower, die ihre Pflanzen “nur eine Sekunde” während der Dunkelphase kontrollieren möchten,
  • Elektronische Anzeigeleuchten im Zelt oder Grow Room.

Draußen kann versehentlich ein Wiedereintritt in die Wachstumsphase erfolgen, wenn Du zu früh anpflanzt. Sämlinge, die vor der Frühlingstagundnachtgleiche nach draußen gestellt werden, wenn die Nacht noch länger als 12 Stunden dauert, können sofort in die Blüte gehen. Dann, wenn die Tage länger und die Nächte kürzer werden, kehren sie wieder in ihre vegetative Phase zurück und bekommen die gleichen seltsam aussehenden Blätter, die auch die Pflanzen bekommen, die absichtlich in die vegetative Phase zurückgeführt wurden.

Wenn Dir das passiert, gerate nicht in Panik. Mutter Natur wird sich schon selbst um das Problem kümmern. Es dauert nicht lange, bis die Blätter die normale, mehrfingerige Wachstumsstruktur bekommen, die so typisch für Cannabis ist. Diese Pflanzen werden dann im späten Sommer erneut in die Blüte gehen.

WIE GESCHIEHT VERSEHENTLICHES RE-VEGGING?

WIE KANN ICH VERSEHENTLICHES RE-VEGGING IM GROW ROOM VERMEIDEN?

Um zu verhindern, dass Licht in ein Zuchtzelt eindringen kann, schalte alle Lichter im Raum ein, setz Dich in das Zelt und schließe es. Wenn Du siehst, dass irgendwo Licht eindringt, auch wenn es nur durch ein winziges Loch ist, können Deine Pflanzen bereits beeinflusst werden. Bedecke alle Löcher mit schwarzem Klebeband, um den Raum abzudichten. Du musst möglicherweise auch Reißverschlüsse abkleben oder abdecken. Wenn Deine Vorschaltgeräte, Ventilatoren und andere Geräte über LED-Anzeigen verfügen, platziere sie am besten außerhalb des Zeltes oder verdecke die Lichter mit Klebeband.

Im Grow Room solltest Du die gleichen Maßnahmen treffen, aber richte Deine Aufmerksamkeit auf Fenster, Fugen und Löcher in Türen und mögliche Aussparungen für ein Belüftungssystem.

Überprüfe Deine Timer. Stelle sicher, dass Du sie so eingestellt hast, wie Du es beabsichtigst, und dass sie ordnungsgemäß funktionieren. Bei mechanischen Zeitschaltern kannst Du dies tun, indem Du eine normale Lampe daran anschließt und dann das Einstellrad manuell drehst, um zu sehen, wann das Licht eingeschaltet bleibt und wann es ausgeht.

Wenn Du die schlechte Angewohnheit hast, Deine Pflanzen während der Dunkelphase zu überprüfen, dann solltest Du einfach lernen, geduldiger zu sein. Es gibt nichts, was nicht ein paar Stunden warten kann. Schlösser sind eine gute Methode, um neugierige Augen und Licht-anschaltende Hände von Deinen Pflanzen fernzuhalten.

Wenn Du das Risiko von Lichtlecks minimieren willst, dann stelle Deinen Timer so ein, dass er das Licht ungefähr dann ausschaltet, wenn es draußen auch dunkel wird. Dies wird niemanden daran hindern, einen Lichtschalter einzuschalten, aber es wird Dir dabei helfen, Dein Zelt oder Deinen Grow Room so dunkel wie möglich zu halten.

WAS SOLL ICH TUN WENN ICH VERSEHENTLICH RE-VEGGED HABE?

Zuerst solltest Du tief durchatmen und Dich entspannen. Deine Pflanzen werden es überleben. Behebe Dein Lichtproblem und Deine Pflanzen sollten sich innerhalb von maximal zwei Wochen erholen. Je länger sie wieder in der Wachstumsphase sind, desto länger dauert es, bis sie erneut in die Blüte wechseln. Wenn Du ihre Genesung vorantreiben willst, dann lass sie für 24 bis 48 Stunden in völliger Dunkelheit.

Sei Dir bewusst, dass einige Cannabispflanzen den Stress des schnellen Wechsels von der Blüte in die vegetative Phase und zurück in die Blüte nicht sehr gut bewältigen können. In sehr seltenen Fällen kann eine Pflanze zu einem Hermaphrodit werden und männliche Pollensäcke entwickeln. Untersuche Deine Pflanzen sorgfältig in der Nähe der Blüten auf gelbliche Säckchen, die winzigen Bananen ähneln. Manchmal verstecken sie sich gerne hinter der Blüte in der Nähe des Stammes oder sogar in der Mitte der Blüten. Wenn Du welche findest, dann entferne sie, bevor sie Zeit haben, sich zu öffnen, Pollen freizusetzen und Deine Pflanzen zu bestäuben. Wenn Du sehr viele auf einer Pflanze findest, empfiehlt es sich, die Pflanze einfach komplett zu entfernen und zu entsorgen, bevor sie Schaden anrichten kann.

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