Seit Marihuana zu einem gesellschaftlich relevanten Thema geworden ist, hat es auch immer ablehnende Aufschreie gegeben. So mancher behauptete, dass man Gras überdosieren könnte, während andere sagten, dass es zu einem unmittelbaren Burn-Out führen würde. Unter all diesen Streitpunkten war jener der "Einstiegsdroge" jedoch der lauteste und häufigste Diskussionspunkt unter Marihuana-Kritikern. Egal, wie viele Forschungen angestellt wurden, die Konservativen einer Generation haben es oft als Tatsache angesehen. Die Wahrheit ist jedoch weitaus nuancierter als beide Seiten realisieren. Angesichts der rechtlichen, sozialen und biologischen Faktoren müssen beide Lager eine Menge berücksichtigen.

WAS IST DIE EINSTIEGSDROGEN-HYPOTHESE

Wenn Du in Sachen Marihuana-Diskurs nicht auf dem aktuellsten Stand bist, wirst Du womöglich mit dem Begriff "Einstiegsdroge" nicht vertraut sein. In einfachen Worten geht es dabei um die Annahme, dass die Verwendung einer psychoaktiven Droge (wie Marihuana) dazu führt, dass man immer stärkeren Highs nachjagen wird. In der Theorie würdest Du dann bei verschiedenen Drogen landen, die gefährlicher sind und süchtiger machen als Marihuana. Dies gilt jedoch nicht nur für Gras. Seitdem E-Zigaretten beliebt geworden sind, hat sich die Diskussion darüber, ob sie einen Einstieg für herkömmliche Zigaretten und schließlich Drogen darstellen, verschärft.

ARGUMENTE FÜR MARIHUANA ALS EINSTIEGSDROGE

Wenn wir uns wieder auf Marihuana konzentrieren, gibt es eine Menge an Argumenten dafür, dass es sich dabei um eine Einstiegsdroge handelt. Einer der Hauptpunkte betrifft das Belohnungssystem des Gehirns und die Art, wie dieses von Marihuana beeinflusst wird. Wenn jemand vor seinem 20. Lebensjahr mit dem Marihuanakonsum beginnt, kann dies dazu führen, dass das Gehirn neu verdrahtet wird und auf maximale Dopaminausschüttungen drängt. Daher können andere Drogen reizvoller für einen sein und die Wahrscheinlichkeit, diese zu probieren, steigt theoretisch an.

Außerdem ist es wahrscheinlicher, dass jemand, der Marihuana kauft und konsumiert, Leute kennt, die auch andere Drogen nehmen. Befürworter der Einstiegsdrogen-Hypothese argumentieren, dass diese Personen mit größerer Wahrscheinlichkeit andere, härtere Drogen probieren. Die Statistik, dass 44,7%[1] der Menschen, die Cannabis probiert haben, letztlich auch andere illegale Drogen probieren, bekräftigt viele in der Annahme, Marihuana sei eine Einstiegsdroge. Zugegeben handelt es sich hierbei um eine signifikante Menge und diese Zahl sollte nicht ignoriert werden.

ARGUMENTE GEGEN MARIHUANA ALS EINSTIEGSDROGE

Wirft man einen genaueren Blick auf diese Zahl, wird man jedoch etwas Wichtiges erkennen. Obwohl es sich dabei um eine signifikante Anzahl handelt, ist es dennoch nicht die Mehrheit. Das bedeutet, dass 55,3% der Marihuanakonsumenten niemals eine andere illegale Substanz probiert haben. Wir würden argumentieren, dass dies auch eine bedeutende Zahl ist. Anstatt Nutzer zu neuen Substanzen zu verleiten, gibt es Hinweise darauf, dass Marihuana das Gegenteil bewirken könnte. In einer Studie an 481 Jugendlichen aus Vancouver stellten kanadische Forscher fest, dass Cannabiskonsum tatsächlich vor dem Einstieg der Verwendung injizierbarer Drogen schützen[2] kann.

Gleichzeitig argumentieren viele, dass es gerade der illegale Status von Marihuana sei, der es überhaupt zu einer Einstiegsdroge macht. Da viele ihr Gras bei einem Dealer kaufen und an bestimmten Orten rauchen müssen, werden sie auch anderen Drogen ausgesetzt. Wenn Du einen Gras-Dealer kennst, der auch Kokain verkauft, wirst Du auch viel wahrscheinlicher Kokain probieren als jemand, der kein Gras raucht und demzufolge auch keinen Dealer kennt. Wenn Du Weed in einer Cannabisausgabestelle kaufen könntest, hättest Du keinen Zugang zu Koks. Daher kommen in der Theorie Du und andere Personen, die nicht rauchen, ebenso wenig überhaupt erst in Versuchung.

KONTEXTFAKTOREN MACHEN EINEN ENTSCHEIDENDEN UNTERSCHIED

KONTEXTFAKTOREN MACHEN EINEN ENTSCHEIDENDEN UNTERSCHIED

Wie bei vielen Fragen im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch ist für die Diskussion der Kontext von Fall zu Fall von entscheidender Bedeutung. Bedenke, dass beispielsweise eine Person mit einer suchtanfälligen Persönlichkeit, die Marihuana raucht, danach wahrscheinlicher auch zu anderen Drogen greift. Dies liegt jedoch an der Neigung zur Abhängigkeit und nicht daran, was Marihuana im Speziellen neu verdrahtet hat.

Soziale Faktoren müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Natürlich wird jemand, der von vielen illegalen Drogen umgeben aufwächst, diese auch mit größerer Wahrscheinlichkeit probieren und Marihuana wird wahrscheinlich die erste davon sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Marihuana die Nutzer direkt dazu bringt, harte Drogen ausprobieren zu wollen. Dies spiegelt vielmehr nur die generelle Versuchung wider, diese Substanzen ausprobieren zu wollen, neben der Tatsache, dass Marihuana am leichtesten erhältlich ist.

Bedenke ferner: Die Menge an Marihuana, die jemand raucht, gibt mehr Aufschluss auf eine zukünftige Abhängigkeit als die Tatsache allein, dass jemand überhaupt raucht. Wenn Du am Wochenende nur ein paar Züge nimmst, wirst Du Dich wohl kaum besonders für Opiate interessieren. Wenn ein Konsument jedoch den Großteil des Tages mit Rauchen zubringt, könnte er sich nach einem stärkeren sedierenden Mittel sehnen. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich, da nur 4,5%[3] der Marihuanakonsumenten in Folge Opiate konsumieren.

FÜHRT DAS RAUCHEN VON WEED ZU HÄRTEREN DROGEN? DIE DEBATTE GEHT WEITER

Wir wünschten, wir könnten Dir zuverlässigere Antworten liefern, aber leider sind diese schwer zu finden. Forschungen ermitteln in beide Richtungen, aber es gibt dennoch kein objektives Urteil[4], ob Marihuana eine Einstiegsdroge ist oder nicht. Wie bei jeder Studie zu illegalen Drogen sind die Daten begrenzt und Störvariablen sind eine richtige Plage. Darüber hinaus wurden viele Studien zu diesem Thema an Tieren durchgeführt. Natürlich sind deshalb viele Fragen offen, inwiefern diese Resultate auf den Menschen übertragbar sind.

Alles in allem kann unsere Neugier lediglich durch weitere und bessere Untersuchungen befriedigt werden. Sobald die Labore die Genehmigungen erhalten, diese Substanzen gründlicher studieren zu können, werden wir mit Lichtgeschwindigkeit forschen können. Bei diesen Genehmigungen müssen die Forscher jedoch Variablen wie die Abhängigkeitsprädisposition und den sozioökonomischen Status berücksichtigen. Ferner sollten sie Daten aus freiwilligen Fragebögen vermeiden, da es unwahrscheinlich ist, dass Menschen ehrlich über ihre tatsächliche Konsumhäufigkeit Auskunft geben.

External Resources:
  1. Probability and predictors of the cannabis gateway effect: A national study https://www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Is cannabis a “gateway drug”? https://www.publichealthontario.ca
  3. Is Marijuana a Gateway Drug? https://www.psychologytoday.com
  4. Is Cannabis a Gateway Drug? Key Findings and Literature Review https://www.ncjrs.gov
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