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Topping bei F1-Hybrid-Autoflower: Vergleich Unter Kontrollierten Bedingungen
Kontrollierter Indoor-Versuch (48 Medusa F1, CRIC Labs) zum Topping bei F1-Hybrid-Autoflower. Getoppte Pflanzen waren ca. 10 cm niedriger (74 vs. 84 cm) und hatten eine kürzere Hauptcola (19 vs. 21 cm). Ertrag leicht geringer (255 vs. 270 g/Pflanze), Cannabinoide moderat höher; keine signifikanten Ertragsunterschiede.
Zusammenfassung
Eine kontrollierte Studie bei CRIC Labs in Montréal, Quebec (Kanada) untersuchte die Effekte des Toppings bei F1-Hybrid-Autoflower-Cannabispflanzen der Sorte Medusa F1 (Royal Queen Seeds).
Getoppte Pflanzen erzielten einen leicht niedrigeren durchschnittlichen Ertrag (255 g/Plant) als nicht getoppte Kontrollen (270 g/Plant). Gleichzeitig zeigten getoppte Pflanzen jedoch einen moderaten Anstieg der Cannabinoid-Konzentration sowie einen um 2 % höheren Anteil an Sugar Leaves an den geernteten Blütenständen.
Wachstumsparameter, Pflanzenarchitektur, Ertrag und Erntequalität wurden in beiden Behandlungen erfasst. Obwohl Topping die Canopy-Struktur und die Cannabinoid-Werte veränderte, wurden beim Endertrag keine statistisch signifikanten Unterschiede beobachtet.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Topping bei F1-Autoflower-Pflanzen unter optimalen Bedingungen die Produktion nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Anwendung sollte daher primär von den Zielen des Growers in Bezug auf Canopy-Management, Platzbeschränkungen und Erntecharakteristika abhängig gemacht werden.


Einleitung
Topping ist eine High-Stress-Training-(HST)-Technik, die häufig bei photoperiodischen Cannabis-sativa-Pflanzen eingesetzt wird, um die Pflanzenarchitektur zu verändern, die Lichtverteilung zu optimieren und sowohl Blütengröße als auch Blütenanzahl zu erhöhen. Der Einsatz bei Autoflower-Varietäten, die durch kurze Seed-to-Harvest-Zyklen und eine kurze vegetative Phase vor der automatischen Blüte gekennzeichnet sind, bleibt umstritten.
Autoflower-Varietäten haben aufgrund ihrer schnellen Entwicklung, der Unabhängigkeit von der Photoperiode und der vergleichsweise einfachen Kultivierung an Popularität gewonnen. Diese Merkmale resultieren vor allem aus der Introgression von Cannabis-ruderalis-Genetik, die die Blüte nach einer kurzen vegetativen Phase von etwa 2–4 Wochen auslöst.
F1-Hybrid-Autoflower-Varietäten stellen einen relevanten genetischen Fortschritt dar, da sie phänotypische Uniformität, Hybrid vigour, Stresstoleranz und ein hohes Ertragspotenzial kombinieren. Medusa F1 ist repräsentativ für diese Kategorie; unter optimalen Bedingungen werden Erträge von bis zu 1,8 kg/m² berichtet.
Aufgrund des begrenzten vegetativen Zeitfensters bei Autoflower-Pflanzen wirft der Einsatz von HST-Techniken zentrale Fragen auf. Konkret: Überwiegen die architektonischen Vorteile des Toppings die stressbedingten Kosten für die Pflanze? Diese Studie adressiert diese Frage unter kontrollierten Kultivierungsbedingungen.


Physiologische Grundlage des Toppings
Topping beschreibt die Entfernung des Haupttriebs in der frühen vegetativen Phase, um die Apikaldominanz zu unterbrechen und die Entwicklung lateraler Verzweigungen zu fördern.
Physiologisch wird die Apikaldominanz primär durch Auxine reguliert, also Pflanzenhormone, die in apikalen Meristemen gebildet werden und das laterale Wachstum hemmen. Die Entfernung der apikalen Spitze reduziert die lokale Auxin-Konzentration und verschiebt das hormonelle Gleichgewicht in Richtung lateraler Meristeme. Dadurch werden ein kompakterer Wuchs und eine gleichmäßigere Canopy mit verbesserter Lichtabfangung begünstigt.
Topping erfordert eine Umverteilung pflanzlicher Ressourcen in Richtung Wundheilung und Reorganisation des Wachstums. Bei Autoflower-Cannabis kann die kurze vegetative Phase die Regenerationszeit begrenzen und damit den Ertrag reduzieren. Aus diesem Grund kann der Einsatz von Nährstoffsupplementen, etwa Aminosäuren, die zelluläre Regeneration unterstützen und Stress-Effekte abmildern.


Materialien und Methoden
Experimentelles Design
Der Versuch wurde in einer stark kontrollierten, automatisierten Indoor-Umgebung bei CRIC Labs in Montréal, Kanada, durchgeführt. Verwendet wurden F1-Hybrid-Autoflower-Cannabis-sativa-Pflanzen der Sorte Medusa F1 (Royal Queen Seeds).
Die Pflanzen wurden in zwei Versuchsgruppen aufgeteilt:
Topping (HST): Pflanzen wurden in der frühen vegetativen Phase getoppt
Kontrolle (Non-Topping): Pflanzen blieben intakt, ohne apikales Beschneiden
Kultivierungsbedingungen
- Gesamtzahl Pflanzen: 48 (24 pro Behandlung)
- Pflanzdichte: 5,4 Pflanzen/m²
- Beleuchtung: Vollspektrum-LED
- PPFD: 1000 µmol/m²/s
- Photoperiode: 18/6 (Licht/Dunkel)
- DLI: 64,8 mol/m²/Tag
- Substrat: Steinwolle (Hugo Blocks, Grodan)
- EC der Nährlösung: 2,4–2,7 mS/cm (ohne Sämlingsphase und letzte Woche)
- pH: 5,8
- Gesamtdauer des Wachstums: 75 Tage von der Keimung bis zur Ernte
Evaluierte Parameter
- Endhöhe der Pflanze (cm)
- Ertrag pro Pflanze (g/Plant)
- Cannabinoid-Gehalt (% THC)
- Länge der Hauptcola (cm)
- Anteil der Sugar Leaves (%)
Dieses Versuchsdesign stellte eine hohe Uniformität zentraler Variablen sicher, einschließlich Pflanzdichte, Lichtintensität, Bewässerung und Nährstoffversorgung. Beobachtete Unterschiede zwischen den Behandlungen können daher primär auf die Anwendung von Topping zurückgeführt werden.


Ergebnisse und Datenanalyse
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Wachstum und Pflanzenstruktur
Getoppte Pflanzen zeigten im Mittel eine Höhenreduktion von etwa 10 cm gegenüber den Kontrollpflanzen (74 cm vs. 84 cm), was zu einer kompakteren und gleichmäßigeren Canopy führte.
Die Länge der Hauptcola war bei getoppten Pflanzen leicht reduziert (19 cm vs. 21 cm), was auf eine Umverteilung des Wachstums in Richtung Seitentriebe und sekundäre Blütenstände hindeutet.
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Ertrag und Erntequalität
Ertrag: Getoppte Pflanzen produzierten einen leicht niedrigeren durchschnittlichen Ertrag (255 g/Plant) als nicht getoppte Kontrollen (270 g/Plant). Obwohl Topping die Lichtverteilung verbessern kann, kann die nach der Entfernung der apikalen Spitze erforderliche Regenerationsphase die Biomasseakkumulation vorübergehend begrenzen.
Cannabinoid-Gehalt: Getoppte Pflanzen wiesen einen moderaten Anstieg der Cannabinoid-Konzentration auf, möglicherweise verbunden mit stressinduzierten metabolischen Reaktionen und verbesserter Lichtpenetration.
Sugar Leaves: Der Anteil an Sugar Leaves war bei getoppten Pflanzen um etwa 2 % höher, was die Trim-Zeit erhöhen und die finale Optik der Buds beeinflussen kann.
Analyse der Ergebnisse
Die statistische Analyse zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungen hinsichtlich Gesamtertrag oder übergeordneter Erntequalität. Unter optimalen Umweltbedingungen scheint Topping die Produktivität bei F1-Hybrid-Autoflower-Pflanzen nicht stark zu beeinträchtigen.
Der primäre Vorteil von Topping liegt in einer verbesserten Canopy-Architektur und Höhenkontrolle. Das kann in Anbauszenarien mit begrenztem Raum oder dort, wo eine gleichmäßige Lichtverteilung kritisch ist, vorteilhaft sein.
Die leichte Ertragsreduktion und der erhöhte Arbeitsaufwand können die Praxistauglichkeit jedoch in großskaligen Setups einschränken. Zusätzlich können die Reaktionen zwischen Varietäten variieren; die bei Medusa F1 beobachteten Ergebnisse sollten ohne weitere Studien nicht auf sämtliche Autoflower-Genetik verallgemeinert werden.
Medusa F1
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Sugar Magnolia x American Beauty |
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40 - 45 Tage |
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THC: Sehr hoch |
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Ausgeglichen, Körperlich entspannend, Kreativ, Schläfrig |
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70 - 75 dage efter spiring |
Fazit
Der Versuch zeigt, dass Topping bei F1-Autoflower-Cannabispflanzen, konkret der Sorte Medusa F1, agronomisch praktikabel ist, sofern es früh und unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wird. Auch wenn Topping den Ertrag nicht erhöht, kann es das Canopy-Management verbessern und die Cannabinoid-Konzentration leicht anheben.
Die Technik erfordert zusätzlichen Arbeitsaufwand und kann die Reife um bis zu eine Woche verzögern; beides sollte in der Produktionsplanung berücksichtigt werden. Die Entscheidung für Topping sollte letztlich eine Abwägung aus struktureller Kontrolle, Ertragsstabilität, operativer Komplexität und finaler Produktqualität sein.
Weitere Untersuchungen mit zusätzlichen Autoflower-Kultivaren und in unterschiedlichen Anbauumgebungen werden empfohlen, um diese Befunde zu validieren und zu erweitern.
Praktische Anwendung für Hobbygärtner
Topping bei F1-Autoflower-Pflanzen, wie Medusa F1, kann auch im Homegrow erprobt werden. In diesem Versuch fiel die Ertragsreduktion gering aus (255 g/Plant vs. 270 g/Plant), während ein moderater Anstieg der Cannabinoid-Konzentration beobachtet wurde, was die Erntequalität potenziell verbessern kann.
Die Technik ist besonders in beengten Setups sinnvoll, in denen Höhenkontrolle, Lichtpenetration und Canopy-Ventilation priorisiert werden.
Um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen, solltest du möglichst stabile Bedingungen anstreben, die den Versuchsparametern entsprechen:
PPFD: 1000 µmol/m²/s
Photoperiode: 18/6
Nährlösung: EC 2,4–2,7 mS/cm, pH 5,8
Substrat: Steinwolle
Temperatur und Luftfeuchte: stabil und innerhalb optimaler Bereiche für vegetatives Wachstum und Blüte
