Kann Cannabis Männer fruchtbarer machen? Forscher der Harvard Universität haben kürzlich eine Studie veröffentlicht, die eine Verbindung zwischen Cannabiskonsum und einer erhöhten Spermienanzahl aufzeigt. Sie sammelten 1143 Spermienproben von 662 Männern, die zwischen 2000 und 2017 in einer Fruchtbarkeitsklinik behandelt wurden, und fanden heraus, dass diejenigen, die angaben Gras zu rauchen, Spermienkonzentrationen von 62,7 Millionen Spermien pro Milliliter (Millionen/ml) aufwiesen, während man bei denjenigen, die nie geraucht hatten, 45,4 Millionen/ml zählte. Und während weiterhin lediglich 5% der Männer, die Gras rauchten, Spermienwerte unter dem "normalen" Schwellenwert der WHO von 15 Millionen/ml aufwiesen, fielen 12% der Männer, die nicht rauchten, in diesen Bereich. Bei Cannabisrauchern war es also nur halb so wahrscheinlich, dass sie unter den WHO-Mindestschwellenwerten für Spermienmotilität und Spermienkonzentration lagen.

Das Durchschnittsalter der Männer lag bei 36 Jahren, wobei die Mehrheit weiß war und einen Hochschulabschluss besaß. Die Studie wurde an der Fruchtbarkeitsklinik des Massachusetts General Hospital durchgeführt.

Diese Ergebnisse stehen im krassen Gegensatz zu einer Reihe früherer Forschungsarbeiten, die den Cannabiskonsum mit einer verminderten männlichen Fruchtbarkeit in Zusammenhang bringen. Wie der leitende Studienautor Feiby Nassan sagte: "Unsere Ergebnisse standen im Widerspruch zu dem, was wir zu Beginn der Studie als Hypothese angenommen haben".

Wir beginnen mit der Untersuchung der Ergebnisse, bevor wir uns genauer mit der männlichen Fruchtbarkeit beschäftigen werden. Nach einem Rückblick auf vergangene Forschungsarbeiten werfen wir schließlich einen Blick auf mögliche Schlussfolgerungen aus den Studienergebnissen.

ANALYSE DER ERGEBNISSE

Die Studie scheint nahezulegen, dass Gras die männliche Fruchtbarkeit steigern kann. Das könnte durchaus stimmen, denn schließlich ließen sich für Cannabis schon zahlreiche positive Wirkungen nachweisen, und es ist damit auch ohne weiteres denkbar, dass der Cannabiskonsum eine Art von Wirkmechanismus auslöst, der die Spermienanzahl erhöht. Darüber hinaus hat die Forschung gezeigt, dass Endocannabinoide eine große Rolle bei der Spermatogenese spielen, was darauf hindeutet, dass auch Phytocannabinoide einen großen Einfluss auf diese biologische Funktion haben könnten.

Nichtsdestotrotz sollte man die Studie mit Vorsicht interpretieren. Sie weist auf eine Korrelation zwischen dem Grasrauchen und der Spermienanzahl hin, doch folgt aus einer solchen Korrelation nicht automatisch, dass hier auch eine kausale Beziehung vorliegt. Hier könnte ein dritter Faktor im Spiel sein, der sowohl für die höhere Spermienanzahl als auch den Graskonsum verantwortlich ist. Testosteron zum Beispiel kann ebenso die Spermienanzahl erhöhen wie auch zu einem risikobereiteren Verhalten beitragen. Damit kann es sein, dass bei Männern wegen ihres höheren Testosteronspiegels die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie gleichzeitig Gras rauchen und mehr Spermien produzieren.

Ebenso ist gut möglich, dass die Testpersonen dieser Studie nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind, denn schließlich handelte es sich ausschließlich um Männer, die eine Behandlung wegen Unfruchtbarkeit anstrebten. Vielleicht waren die Männer auch nicht ehrlich, was ihren Cannabiskonsum anbelangt, da Cannabis zu der Zeit und an dem Ort des Experiments illegal war. Darüber hinaus untersuchte die Studie nicht das Ausmaß des lebenslangen Cannabiskonsums, sondern nur, ob die Probanden zuvor schon einmal Gras geraucht hatten oder nicht.

Die Autoren der Studie stellten selbst fest: "Ob diese Ergebnisse die zuvor beschriebene Rolle des Endocannabinoid-Systems bei der Spermatogenese oder eine falsche Assoziation widerspiegeln, muss in weiteren Studien bestätigt werden".

Wenn wir außerdem weiter zurückgehen und frühere Studien zum Thema Cannabis und männliche Fruchtbarkeit untersuchen, wird die Sache langsam interessant.

Male Fertility

ZUSAMMENHANG ZWISCHEN SPERMIENANZAHL UND MÄNNLICHER FRUCHTBARKEIT

Es ist wichtig zu beachten, dass die Spermienanzahl nicht der einzige Faktor ist, der die männliche Fruchtbarkeit bestimmt, obwohl sie dafür ein wichtiger Faktor ist. Ein weiterer Faktor ist die Spermienmotilität, also die Fähigkeit des Spermas, ordnungsgemäß durch den weiblichen Reproduktionstrakt zu "schwimmen". Ein vermindertes Samenvolumen kann selbst dann zu Fruchtbarkeitsproblemen führen, falls die Spermienzahl normal ist. Weitere Faktoren, die Unfruchtbarkeit verursachen, umfassen weiße Blutkörperchen im Sperma, abnormal gebildete Spermien oder ein hoher Anteil an abgestorbenen Spermien.

Darüber hinaus weisen 15% der unfruchtbaren Männer eine normale Samenproduktion im Hoden und normales Sperma auf. Ihr Problem besteht oft darin, den Samen in das Sperma zu bekommen. Dies kann durch Verstopfungen in den Samenleitern geschehen, die die Samen vom Hoden zu den Ejakulationskanälen transportieren. Einige Männer werden aus genetischen Gründen ohne Samenleiter geboren. manche Männer produzieren Antikörper, die ihre Spermien auf dem Weg aus dem Hoden angreifen. Bei anderen tritt das Phänomen der retrograden Ejakulation auf, bei der das Sperma rückwärts in die Blase ejakuliert wird.

FRÜHERE FORSCHUNGEN ZU CANNABIS UND MÄNNLICHER FRUCHTBARKEIT

Frühere Forschungen zu diesem Thema verkomplizieren die Angelegenheit zusätzlich. Eine Studie aus dem Jahr 2015 mit 1215 dänischen Militärrekruten ergab, dass Männer, in deren Vorgeschichte es wöchentlichen Graskonsum gab, eine um 28% niedrigere Spermienkonzentration sowie eine um 29% niedrigere Spermienanzahl aufwiesen, obwohl die Grasraucher einen höheren Testosteronspiegel aufwiesen.

Tierversuche verleihen dem Bild eine ganz neue Dimension. Der Hauptvorteil von Tierversuchen besteht darin, dass Wissenschaftler unerhebliche Variablen ausschalten können, um so die Unklarheiten zu beseitigen, mit denen wir bisher zu kämpfen hatten. Der Nachteil ist, dass sich Menschen von Tieren unterscheiden und die Ergebnisse nicht immer über die Artengrenze hinweg übertragen werden können.

Eine 2013 mit Ratten durchgeführte Studie ergab, dass die Verabreichung von Cannabis die Spermienanzahl, die Spermienmotilität und den Durchmesser der seminiferen Tubuli (das Zellsystem, in dem das Sperma gedeiht, reift und zu den Hoden transportiert wird) signifikant verringert. Eine Studie aus dem Jahr 2007, die nach einer sicheren Verhütungsmethode suchte, ergab, dass Cannabis sativa die Spermienzahl bei männlichen Wistar-Ratten reduzierte. Eine dritte Studie aus dem Jahr 2011 beschrieb, dass Bhang, eine in Indien verbreitete essbare Cannabiszubereitung, die Fruchtbarkeit bei männlichen Ratten verminderte, möglicherweise aufgrund von Veränderungen im testikulären Endocannabinoid-System.

Weiterhin lieferte eine Studie aus dem Jahr 2009 als Ergebnis, dass THC die Zellatmung von Samenzellen hemmt und grenzt damit einen möglichen Wirkmechanismus ein. Dieser Effekt war bei "frischen" Samenzellen, die noch in der Samenflüssigkeit enthalten sind, viel geringer, was auf eine schützende Wirkung des Plasmas hindeutet. Darüber hinaus wurde die Aktivität der isolierten Mitochondrien ebenfalls durch Cannabis beeinflusst, was die Annahme stützt, dass Cannabis es den Samenzellen schwer machen könnte, Energie zu produzieren. Im Laufe der Zeit kann dies zu einer geringeren Spermienanzahl führen.

Sperm Structure

BEURTEILUNG

Wie eine Meta-Analyse einräumt, ist die Forschungslage widersprüchlich, aber die überwiegende Zahl der Hinweise deutet darauf hin, dass Cannabis die Spermienanzahl beeinträchtigen könnte. Es kann mehrere Gründe für diese chaotischen Ergebnisse geben: Zum einen die Untersuchung an Standorten, die möglicherweise voreingenommen gegenüber Cannabis sind, zum anderen Hinweise auf Unsicherheiten bezüglich der Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf den Menschen. Ebenso ist möglich, dass der Cannabiskonsum die Fruchtbarkeit bei verschiedenen Konsummustern unterschiedlich beeinflusst: Es ist bekannt, dass Cannabis eine "biphasische Wirkungsverteilung" aufweist, bei der ein geringer Konsum oft gegensätzliche Auswirkungen zu einem hohen Konsumniveau hat. Es ist deshalb durchaus möglich, dass der Konsum kleiner Mengen Cannabis die Spermienzahl erhöht, während der Konsum großer Mengen sie verringert.

Alles in allem ist noch unklar, wie Cannabis die Spermienanzahl und die männliche Fruchtbarkeit beeinflusst, obwohl diese aktuelle Studie vielversprechend ist. Unabhängig davon sollten Männer, die ein Kind zeugen möchten, aber doch in Betracht ziehen, ihren Graskonsum eher niedrig zu halten.

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