Wenn man über medizinisches Marihuana und die Cannabislegalisierung spricht, denkt man in der Regel an Orte wie Amsterdam oder Barcelona, sofern man Europäer ist oder an Colorado und Vancouver AKA Vansterdam, sofern man Amerikaner ist.

In Südamerika ist nun allerdings eine Revolution des Cannabisanbaus im Gange und medizinisches Marihuana steht nach und nach in immer größeren Teilen des Kontinents zur Verfügung.

Initiativen die von mutigen Ganjapreneurs und der Bewegung zur Legalisierung von Cannabis in Gang gebracht wurden, haben den Status quo in Chile grundlegend verändert. Wir werfen nun einen näheren Blick auf die neuen Wege, die dieses Land beschritt, um seinen ersten Club für medizinisches Marihuana zu eröffnen.

DER ERSTE CHILENISCHE CANNABISUNTERNEHMER

Angello Bragazzi ist der erste chilenische Cannabisunternehmer. Im Jahr 2005 gründete er closet.cl und führte das Unternehmen als Geschäftsleiter. Das Unternehmen war die erste online Cannabissamenbank des Kontinents. Da er der erste in diesem neuen Markt war, hatte er selbstverständlich einen großen Wettbewerbsvorteil.

Leider war vor einem Jahrzehnt die Einstellung zum Cannabis in Chile noch grundlegend anders als sie heutzutage ist. Somit erwartete er auch nicht, dass dies der Kampf seines Lebens werden würde und er den Weg für die Cannabislegalisierung in seinem Land ebnen würde.

Im März 2006 wurde er vom Senator Jaime Orpiz angeklagt und die Anti-Marihuana-Vereinigungen strebten ein Urteil mit einer Haftstrafe von nicht weniger als drei Jahren für Angello an.

Es gab viele Rechtsstreitigkeiten, aber das Gesetz 20.000 wurde im Jahr 2005 schlussendlich in Kraft gesetzt und entkriminalisierte den persönlichen Konsum jeglicher Drogen im heimischen Umfeld. Ein ähnlicher Ansatz wie in der Pionierarbeit zur Schadensbegrenzung, welche in Portugal seit dem Jahr 2001 stattfindet. Das Gesetz ließ nun aber eine große Grauzone in Bezug auf den Marihuanaanbau offen und nahm keinen spezifischen Bezug auf medizinische Nutzer.

Die Aufmerksamkeit der Medien auf Angellos Sieg im Jahr 2008 und die stetig wachsende Legalisierungsbewegung, führten schlussendlich dazu, dass sich die allgemeine Meinung zum Cannabis in Chile änderte und Mr. Bragazzi zu Chiles Antwort auf Marc Emery wurde.

Im Jahr 2010 gewannen auch Kampagnen an Schwung, welche die Gesundheitsvorteile und medizinischen Anwendungen von Cannabis ansprachen und drangen bis an die breite Öffentlichkeit.

DIE DAYA STIFTUNG UND CHILES ERSTE LEGALE CANNABISERNTE

fundación daya cannabis chileIm Oktober des Jahres 2014 wurden 850 niederländische Cannabissamen in einem überwachten Anbaugebiet in dem Stadtteil La Florida der Hauptstadt Santiago ausgesät. Dieses Pilotprogramm des medizinischen Cannabisanbaus steht zum einen Teil unter der Leitung der Fundación Daya (Chiles führende Institution für medizinisches Cannabis) und zum anderen Teil unter der Leitung der Gemeinde La Florida.

Ana María Gazmuri ist die Geschäftsführerin der Stiftung und einer der großen Namen in dem, was sie selbst oft als „grüne Revolution“ bezeichnet. Auf der **Website der Stiftung bezieht sie sich auf die Cannabispflanze als „medizinische Pflanze für den Heimgebrauch“.

Die Daya Stiftung ist keine profitgetriebene Organisation, ganz im Gegenteil, ihr Hauptziel ist es medizinisches Marihuana kostenlos oder zu günstigen Preisen zur Verfügung zu stellen.

Wie Du sicherlich schon erwartet hast, war das Projekt in La Florida ein riesiger Erfolg. Aus der ersten Ernte im April-Mai 2015 wurde Cannabis Öl für 200 medizinische Patienten hergestellt. Das war aber nur der Anfang, da die Initiative mittlerweile noch an Aufschwung gewonnen hat.

CHILES MEDIZINISCHE MARIHUANAPLANTAGE

275km südlich von Santiago, in der kleinen Stadt Colbun, wurden zwischen März und Mai rund 6900 Marihuanapflanzen geerntet. Reuters hat die Produktion in seinem Bericht von Gram Slattery im Januar 2016 auf ungefähr “1.5 Tonnen“ geschätzt.

Wie beispielsweise auch in Kolumbien, findet der Anbau in den südamerikanischen Ländern aufgrund des gut geeigneten Klimas im Freien statt. Eine so große Cannabisplantage kann somit zu einer wahrhaften Goldmine werden.

Die Daya Stiftung hat die Ernte allerdings nobleren Zielen gewidmet. Es profitieren somit nun rund 4000 Patienten von der Ernte. Du hast es richtig verstanden, Patienten bekommen kostenloses medizinisches Cannabis.

Des weiteren werden drei wissenschaftliche Studien durchgeführt, welche die folgenden drei Aspekte erforschen. 1) medizinische Anwendung für Krebspatienten, 2) Anwendung bei behandlungsresistenten Epilepsiepatienten und 3) Anwendung bei krebsfreien Patienten mit chronischem Schmerz.

cannabis Chile

Photocredit - www.fundaciondaya.org

BOCI: DER ERSTE LEGALE MEDICAL MARIHUANA CLUB

BOCI steht für Botánica Orgánica Cannabis Internacional und ist Chiles erster legaler Medical Marihuana Club. Offiziell öffnete er seine Pforten am 2. September 2016. Die Eröffnungsfeier wurde von Dr. Sergio Sanchez Bustos geleitet, er ist Präsident der Latin American Reform Foundation, welche auch ein Sponsor des Clubs ist.

BOCI hat seinen Sitz in der nördlich liegenden Stadt Arica. Laut einem Report von Caitlin Fitzgerald vom 25.10.2016 auf talkingdrugs.org hat der Club „ungefähr 20 Mitglieder“.

Der Club liefert medizinisches Cannabis an seine Mitglieder, welche, aus welchem Grund auch immer, nicht imstande sind ihr eigenes Medikament anzubauen. Sei es unzureichendes Wissen und/oder Platzmangel.

DER SIEG IM KRIEG GEGEN DROGEN

Im Juni 2015 entschied der oberste chilenische Gerichtshof, dass die Klägerin Paulina Gonzalez Trigram „im Rahmen des Gesetzes ihre Rechte ausübt“. Dieser Präzedenzfall war ein Meilenstein, da er den Weg für die Cannabiskollektive und Heimzüchter in Chile ebnete.

Kurze Zeit nach dieser Entscheidung im Dezember 2015, unterschrieb die Präsidentin Michelle Brachelet das Dekret 84, welches Cannabis von der Liste der gefährlichen Betäubungsmittel des Landes entfernte.

Chile ist der weltweite Marktführer im Kupferexport und seine Wirtschaft ist grundlegend exportorientiert. Unter dem Ausmaß der globalen Finanzkrise hat auch die chilenische Wirtschaft gelitten. Laut einem Bericht von Daniel Workman, welcher am 22.10.2016 auf worldexports.com erschienen ist, sind die Exporte in Chile „seit dem Jahr 2011 um 22,2% gesunken“, Stand 2015.

Wir haben es bereits gesagt und wir werden es wieder sagen; es wird definitiv ein globaler Cannabismarkt entstehen. Chile arbeitet genau zur rechten Zeit an einem heimischen Markt für medizinisches Cannabis.

Die Arbeits- und Produktionskosten dort sind um vieles geringer als bei den kommerziellen Indoorplantagen der nördlichen Hemisphäre. Chile wird somit zweifelslos ein großer Mitstreiter in dem entstehenden Cannabisrohstoffmarkt werden.

Die mächtigen Volkswirtschaften der “Green Economy” des 21. Jahrhunderts werden also nicht die üblichen Verdächtigen sein. Südamerikanische Nationen haben die Nase vorn und werden den Krieg gegen die Drogen gewinnen.

Der Freizeitgebrauch wird zudem nicht mehr als schandhaft angesehen und auch das alte Klischee der „Einstiegsdroge“ gehört nun vergangenen Tagen an.

Der Fortschritt in Chile und allen weiteren Teilen der Erde, wo Gras mittlerweile legal ist, ist zu 100% auf die Cannabisaktivisten zurückzuführen, welche dazu bereit sind “etwas in Bewegung zu setzen“. Diese erleuchteten Kiffer sind sich vollkommen darüber im Klaren, dass wir uns im Krieg befinden und dass unsere Seite eine viel größere Anzahl an Unterstützern hat, als die Seite der Unterdrücker.

Die Cannabislegalisierung schreitet voran, Events und Kundgebungen in Chile ziehen Massen im Zehntausenderbereich an. Von den Marihuanaaktivisten in Chile könnten wir allesamt eine Lektion über effektiven und friedvollen Widerstand lernen.

Warenkorb

Einschließlich KOSTENFREIER Artikel

Keine Produkte

Versand € 0.00
Gesamt € 0.00

Bestellen